Nächste Runde mit Bella Ball

Kindergruppe mit Bella Ball
© Joachim Albrecht-Bahr

Das zweite Kapitel der Geschichte bearbeiten Kinder aus dem Kinder- und Familienzentrum Kinderhafen in Osterholz-Tenever.

Als Bella Ball das erste Mal zu Gast ist, sind alle Kinder noch zurückhaltend. Eine Geschichtenfigur zum Anfassen und Knuddeln? Was ist das für ein Geschöpf? Und ein Buch soll entstehen? Wir sollen da mitmachen? Lange zuzuhören und die Worte auf Deutsch zu finden, fällt schwer. Hier ist es besonders wichtig, die Kinder zeichnen zu lassen. Dabei lässt sich besser denken und die gemalten Figuren und Situationen erzählen ihre ureigene Geschichte.

Im ersten Schritt gilt es wieder, in die Gefühlswelt von Bella einzutauchen. Die Kinder entwerfen ein Gesicht und bemalen einen kleinen Ball damit. Ihre Bilder zeigen Bella fröhlich, manchmal aber auch ernst oder ängstlich.


Können ein Ball und ein Teddy Freunde werden?

Bella Ball bleibt nicht allein. Mine nimmt sich ihrer an und Bella Ball mit in ihre Wohnung. Da ist auch ein Teddy. Der ist skeptisch. Die Kinder wägen ab. Okay, lass sie Freunde werden.

Lamar, 5 Jahre:

Der Teddy liebt Bella Ball. Bella Ball spielt mit Mine und Teddy. Sie haben Hunger und kaufen Essen. Zu Hause spielen sie weiter. Sie spielen auch, wenn sie essen. Nach dem Essen sind sie immer zusammen.

Die Kinder tauen zusehends auf, werden lebhaft und quirlig, aber lange nachzudenken, und das Gedachte in deutsche Worte zu übersetzen ist für sie oft anstrengend. Manchmal geht es hoch her, was der Kreativität keinen Abbruch tut.


Bella Ball schaut in den Spiegel. Kann ein Spiegel ihr sagen, wer sie ist?

Die Kinder überlegen: Ist sie ein Fußball, ein Handball, oder angesichts der vielen Fransen gar ein Würmerball?

Da ist jemand, der die Bilder für das Kinderbuch malt. Bei einem der Treffen lernen die Kinder Meike Rohde, die Illustratorin, kennen. Ihre Bilder finden Anklang.

Illustration von Bella vor dem Spiegel
© Meike Rohde

Dann wird es dramatisch….

Maddox, 6 Jahre:

Bella Ball ist die Treppe runtergefallen. Sie schaut sich im Spiegel an. Sie hat einen Kratzer im Gesicht.

Zaman, 6 Jahre:

Es regnet über Bella Ball. Unter ihr ist Wasser. Sie ist ins Wasser gefallen. Sie ertrinkt.

Mine will zu ihrem Vater und ist traurig, weil sie keinen Pass hat und nicht fahren darf. Wenn Bella auf die Wolke kommt, kann sie von dort aus alles sehen. Kann sie ihr sagen, wo ihr Vater ist? Was kann sie von der Wolke aus erkennen? Sie sieht Häuser, Autos und Supermärkte. Sie sieht viele Länder: Amerika, Russland, Spanien, China, Sri Lanka. In ein anderes Land kann man mit dem Flugzeug hinkommen. Man braucht Geld und einen Pass.

Mine und Bella Ball sind auf dem Spielplatz. Bald treffen sie Mines Freunde. Sie werden ihr helfen zur Wolke zu kommen. Bella freut sich riesig. Wie klingt Freude? Nach Beethovens neunter Symphonie tanzen wir einen Stopptanz. Aber Töne als Freude zu beschreiben ist nicht so einfach. Lemis, 6 Jahre, ist es gelungen.

Zeichnung von Lemis: Der Ball unter fliegenden Noten
© Joachim Albrecht-Bahr

Was einem selbst Freude macht, lässt sich besser in Worte fassen.

Lamar, 5 Jahre:

Meine Mutter macht mir Freude. Wir haben zusammen einen Regenbogen gesehen und Blumen. Über uns scheint die Sonne.

Darin, 5 Jahre:

Es macht Freude einen Spielplatz zu haben mit einer Schaukel, einer Rutsche und einem Luftballon. Mit Freunden und Freundinnen zusammen zu sein.

Berna, 4 Jahre:

Mit Bella Ball gehe ich in den Kindergarten und dann nach Hause. Wir gehen spazieren. Das macht Freude.


Wie immer muss es ein Ende geben. Kann Bella auf einer Wolke wohnen?

Zwei Kinder halten ihre Zeichnungen hoch
© Joachim Albrecht-Bahr

Lemis, 6 Jahre:

Bella Ball ist hochgesprungen und auf die Wolke geflogen. Sie wohnt jetzt auf der Wolke. Sie hat da geschlafen. Sie hat runtergeschaut. Dann hat sie Mine gesehen. Mine hat Bella Ball zugewunken. Bella Ball hat auch gewunken. Da ist Bella wieder von der Wolke runter zu Mine.

Sudais, 5 Jahre:

Um die Wolke fliegen Zahlen. Daneben ein Regenbogen.

Berna, 4 Jahre:

Bella schläft auf der Wolke. Die Sonne kommt und scheint hell. Da kann Bella Ball nicht schlafen. Die Sonne scheint in Bellas Augen. Bella läuft schnell weg.

Silva, 6 Jahre:

Bella ist auf der Wolke. Sie hat Angst. Sie wollte schlafen, aber da ist die Sonne gekommen. Die Erde ist auch hochgekommen. Da hat sie Angst bekommen.

Darin, 5 Jahre:

Da ist Bella Ball und da ist eine Regenbogenwolke. Bella Ball ist gehüpft und gehüpft. Dann ist sie runtergefallen. Ein Mädchen hat sie aufgefangen. Das war Mine.

Ejder, 5 Jahre:

Bella ist auf der Wolke. Die ist nicht mehr weiß. Die Wolke wurde sie auf einmal blau. Das Blau wird weniger. Dann ist die Wolke verschwunden. Bella Ball ist runtergefallen. Sie ist irgendwo gelandet, im Wasser.


Beim letzten Treffen sind Herr und Frau Franke, die Gründer der Stiftung Gib Bildung eine Chance, in den Kindergarten gekommen. Sie unterstützen das Projekt. Es gab wieder eine feierliche Urkundenverleihung. Und dieses Mal haben alle aufmerksam zugehört, als ihre eigenen Geschichten vorgelesen wurden. Was für eine Freude!


Geschichten aus dem Kinder- und Familienzentrum Kinderhafen in Osterholz Tenever

Text: Ulrike Kleinert
Fotos: Joachim Albrecht-Bahr
Illustration: Meike Rohde