Julia Höft, Emilia Sting, Carla Anacker: durch/schrift durch/schrift durch/schrift

Das Ausgangsdesign von durch/schrift durch/schrift durch/schrift zeigt einen blau linierten weißen Grund.
© Carla Anacker, Julia Höft, Emilia Sting

DIE IDEE

Wer schreibt welche Worte in den Stadtraum? Bevor wir mit unserer geplanten Schreibpraxis beginnen können, haben andere bereits begonnen. Greifen wir ein oder lassen wir die Säule – als öffentliche Fläche – sich selbst gestalten?

Wir als Künstlerinnenkollektiv wollen uns zurücknehmen. Wir wollen öffentlichen Raum für öffentlichen Austausch offenhalten. Wir fragen uns: „Welche Stimmen schreiben?“ Und wer kreiert den Space? You create Space.

… auf dem Weg zur Arbeit, als Hotelgast um die Ecke, als Schulkind, auf dem Weg zur Arbeit, bei einem Ausflug mit Freund*innen, in der Dunkelheit, heimlich, selbstbewusst, spontan oder geplant. Einmal oder immer wieder. Lesend oder schreibend.

Einzelne Schriftzüge fügen sich zu einem Schriftbild zusammen, während die schreibenden Körper unsichtbar bleiben. Es entfalten sich zeitversetzt Gespräche zwischen Menschen, die sich nicht kennen und vielleicht nie miteinander reden würden.

Uns interessiert die Unvorhersehbarkeit, die Zufälligkeit der Begegnung, das Imaginieren, wer die Adressat*innen und wer die Schreibenden sind und was sie hier zu genau diesem Ort gebracht und sie verweilen lassen hat.

Zu den Texten vom 6. und 7. Juni

INTERVIEW

Was ist das Besondere an dieser Arbeit?

In unserer kollektiven, experimentellen Schreibpraxis erforschen wir, wie sich Krisen, Geschichte(n) und Weltgeschehen in unsere Körper einschreiben. Das Schreiben verstehen wir als Strategie Platz zu schaffen, uns zu entleeren und einen Resonanzkörper zu bewahren, der in der Lage bleibt, mitzuschwingen. 

Was macht Kunst im öffentlichen Raum für euch aus?

Indem wir unsere künstlerische Praxis im öffentlichen Raum ausüben, wird der Prozess zum Dialog. Die umgebende Architektur, die zufällig vorbeilaufenden Menschen, das Wetter nehmen Einfluss auf die Schreibpraxis. Es entfaltet sich ein spontanes, ephemeres Gespräch. Gerade beim Schreiben bleibt der Entstehungsprozess oft unsichtbar, da er im privaten Raum stattfindet. Durch das Öffnen des Prozesses wird dem performativen, körperlichen Akt des Schreibens Sichtbarkeit verliehen. Die Wichtigkeit des Inhalts des Geschriebenen und die Praxis des Schreibens gleichen sich an. 

Was interessiert euch am Medium der Litfaßsäule?

Die Litfaßsäule verstehen wir als vierten Körper in unserem Kollektiv und eigenständige Akteur*in in unserer Arbeit. Sie formt den Text, das Schriftbild und den Inhalt maßgeblich mit. Die Körperlichkeit der Litfaßsäule trägt zur Choreografie unserer Körper im Akt des Beschreibens bei. Gleichermaßen prägt sie die Bewegung des Stadtraums, wenn Menschen um sie herum laufen, näherkommen, stehenbleiben.

Die Litfaßsäule vor dem Beschreiben ist weiß mit blauen Linien.
© Annika Depping
Julia Höft, Emilia Sting und Carla Anacker stehen vor der Tür eines Gebäudes.
© privat

Carla Anacker, Julia Höft und Emilia Sting

arbeiten seit 2022 als Kollektiv gemeinsam an der Schnittstelle zwischen Sprache, Installation, Skulptur, Performance und Film. Sie haben sich 2018 im Studium Integriertes Design an der Hochschule für Künste Bremen kennengelernt und im vergangenen Jahr gemeinsam ihre Abschlussarbeiten im Hans-Otte-Klanghaus. in der Weserburg ausgestellt. Im Moment beschäftigen sie sich mit dem Prozess des Schreibens als Kunstform.

Übersicht aller Künstler*innen bei You create Space!