Abschluss mit 1000stimmen-Podcast

© Lissi Savin

Nach einer Auftaktveranstaltung und mehreren Online-Schreibwerkstätten kommen die Jugendlichen heute wieder live mit Slam-Großmeister Bas Böttcher zusammen. Die Gänge der Schule sind still. Das einzige externe Geräusch ist das Vogelgezwitscher, das durch die offenen Fenster dringt.

Der letzte Teil des Projekts mit Bas Böttcher hält einen großen Moment für die Schüler*innen bereit: Heute präsentieren sie der Welt ihre Texte, an denen sie seit Wochen werkeln. Eigentlich war ursprünglich ein Abend mit Publikum geplant. Aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie wird es stattdessen einen Podcast geben. „Wenn ihr nichts dagegen habt, werden wir die O-Töne auch dem Radio zur Verfügung stellen”, verkündet Bas Böttcher und versichert den jungen Poet*innen: „Wenn ihr einen Fehler macht, schneide ich ihn raus.”

Nun sind in den letzten Workshops natürlich viele Texte entstanden. Böttcher erteilt daher zunächst die Aufgabe, zwei Lieblingstexte auszusuchen. Bevor die Aufnahme losgeht, gibt es noch eine Generalprobe: Mit 1,5 Metern Abstand zwischen den Stühlen, setzen sich die Schüler*innen in einen Kreis. Nico trägt einen Text vor, in dem ein Lehrer unter der Brücke wohnt und sich an seine Vergangenheit in der Schule erinnert. Dann wird das Vorlesen mit unterschiedlichen Stimmen und Betonungen geübt.
 

Schülerinnen besprechen ihren Text
© Lissi Savin

„Du schreibst dein eigenes Buch. Du drehst deinen eigenen Film. Du gehst durch dein eigenes Leben.” 

Bas nimmt mit einem Schüler seinen Text auf.
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Mancher Text enthält philosophische Elemente, so auch Svenjas: „Du schreibst dein eigenes Buch. Du drehst deinen eigenen Film. Du gehst durch dein eigenes Leben.” Anschließend überarbeiten die Schüler*innen ihre Werke. Bevor er sie in die Pause entlässt, rät Bas Böttcher, den Text stumm, aber mit Lippenbewegungen, einige Male zu wiederholen. „Das kann extrem helfen, weil man dann nicht mehr hört, dass ihr die Buchstaben entziffert.”

Dann kommt endlich der große Moment. Zwei der Schüler*innen gehen in einen Raum am Ende des Flurs, während der Rest der Gruppe neue Texte kreieren darf. Der Raum für die Aufnahme ist mit Teppich ausgelegt. Das Fenster wird geschlossen, damit die Vögel den Textfluss nicht stören.

Der große Moment

Zuerst sind Alex und Nico an der Reihe. Sie lesen lässig vor und die Aufnahme ist in einem Take geschafft. Bas Böttcher ist zufrieden. Auch die nächsten Schüler*innen brauchen - trotz Nervosität - meist nicht mehr als einen Durchlauf. Hier sind schon Profis am Werk. Doch wenn sich mal jemand verhaspelt, beruhigt Böttcher sie: „Ich habe letztens bei einer Aufnahme zehn Takes gebraucht.”

Die Tonaufnahmen sind schnell im Kasten, so dass noch Zeit bleibt für einen Auftritt. Bas Böttcher schnappt sich spontan den Werbeprospekt einer Supermarktkette und liefert mit einem völlig belanglosen Werbetext eine grandiose Spoken Word Performance. Für einen kurzen Moment leuchtet noch einmal die Macht der Sprache in diesem Workshop auf, bevor Bas Böttcher sich mit seiner legendären Liebeserklärung auf Chinesisch von den jungen Poetinnen und Poeten verabschiedet.

In Kürze wird der Podcast hier zu hören sein.

Der Text einer Schülerin wird aufgenommen.
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Text: Lissi Savin