Marjana Gaponenko im Porträt

Marjana Gaponenko © Mathias Bothor / photoselectionMarjana Gaponenko wurde 1981 geboren. Sie wuchs als Tochter einer Filmemacherin und eines Sportdozenten in Odessa auf – ihre Mutter stammt aus Wladiwostok, ihr Vater aus Georgien. Schon mit 15 Jahren begann sie, Texte und Gedichte auf Deutsch zu verfassen, ihrer zweiten Fremdsprache, die sie dem Englischen vorzog. Ihre Eltern engagierten eigens einen Privatlehrer, einen ehemaligen KGB-Agenten, der lange Zeit in der DDR gelebt hatte, um den Deutschunterricht auf dem Gymnasium noch zu ergänzen.

Nach der Schule studierte sie Germanistik in Odessa, darauf folgten Aufenthalte in Dublin und Krakau. Seit 2006 lebt sie fest in Deutschland, momentan in Mainz. Auf die Frage, warum sie lieber auf Deutsch schreibe, antwortete sie 2014 einem Journalisten der Frankfurter Rundschau: „Es ist nicht der Klang, ich kann nicht sagen, dass ich Deutsch als schöne Sprache empfinden würde. Aber ich weiß sie zu schätzen, ich habe über sie gelernt, klarer, präziser zu denken. Ich kann meine Gedanken auf Deutsch unendlich verschachteln. Auf Deutsch hat man die langen Sätze, in denen ich wandele wie in einem Palast mit vielen Zimmern.“

2007 erschien mit „Annuschka Blume“ ihr erster Roman im Residenz Verlag, eine Liebesgeschichte in Briefen. 2009 erhielt sie den Frau-Ava-Literaturpreis. 2012 folgte bei Suhrkamp ihr zweiter Roman „Wer ist Martha?“, der von der Kritik einstimmig gefeiert wurde. Darin erzählt sie über den 96-jährigen Zoologie-Professor, Ornithologen und Opern-Liebhaber Luka Lewadski, der seine letzten Tage in Saus und Braus im prachtvollen Wiener Hotel Imperial verbringt. Ebenso opulent wie diese Kulisse wirkt ihre Sprache, die von Erfindungsreichtum und einer großen Herzenswärme für ihre kauzigen, nicht allzu alltäglichen Figuren geprägt ist.

2013 wurde Marjana Gaponenko mit dem Adalbert-von-Chamisso-Preis ausgezeichnet – ein Literaturpreis, der an Autoren verliehen wird, die nicht in ihrer Muttersprache schreiben und deren Werk von einem Kulturwechsel geprägt ist. „Eine herausragende Leistung, die mit sprachilcher Pracht und barocker Oplenz, hoch vergnüglich und geistreich von Europa und vom Leben erzählt“, so heißt es über „Wer ist Martha?“ in der Jurybegründung.

2015 erscheint mit „Zu den Sternen“ ihr erstes Theaterstück bei Suhrkamp. Auch ein dritter Roman ist gerade in der Entstehungsphase. Darin, so verrät die Autorin, wird es um einen Geschichtsphilosophen gehen, der mit seinem Schüler durch Europa reist.


Marjana Gaponenko liest am 05. Juli um 11 Uhr im Kulturhof Peterswerder.

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Autorenfoto: © Mathias Bothor/Suhrkamp Verlag

 

 

 

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