Die Geschichte meiner Oma

Von Tim an Haack

Es war eine ruhige Nacht im Jahre 1943.Wie jeden Abend wurden in Bremen alle Lichter ausgeschaltet. Es war stockdunkel. Verdächtige Stille auf den Straßen. Wie die Ruhe vor dem Sturm. Natürlich schliefen wir in Angst ein, den nächsten Tag nicht mehr zu erleben, aber wir waren es schon gewohnt. Doch was ich an jenem Morgen sah, ließ mir das Blut in den Adern gefrieren.

Mitten in der Nacht heulten plötzlich die schrillen Sirenen. Da wir angezogen schlafen gegangen waren, konnten wir, so schnell es ging, in den nächsten Bunker rennen. Man hörte die furchterregenden Feindbomber am Himmel. Im Bunker spürte man die Angst jedes einzelnen. Menschen beteten und Babys schrien … Einen Moment war es still und die Leute horchten. Dann hörte man von der einen auf die andere Sekunde dutzende Bomben einschlagen.

Nach einer gefühlten Ewigkeit gab es die Entwarnung und die Türen wurden vorsichtig aufgemacht. Ein scheußlicher Geruch von verbrannter Asche und verbranntem Schutt durchzog die Kammer des Bunkers. Ich ging an der Hand meiner Mutter nach draußen und sah diese Bilder. Ein blutroter und mit schwarzen Aschewolken bedeckter Himmel füllte den Horizont und überall stiegen Flammen empor. Ganze Stadtteile brannten lichterloh und der Teer der Straßen verflüssigte sich vor Hitze. Alles kaputt und zerstört.

Nächte wie diese, nur nicht so gravierend, gab es noch gut zwei Jahre.

Ich lernte meinen Mann kennen, der lange bei der Marine tätig war. Und jeder, der noch arbeiten konnte, half bei dem Wiederaufbau der Stadt, wie auch mein Vater.

Nach einigen Jahren des Wiederaufbaus von Bremen heirateten mein Mann und ich im Jahre 1961. Nach einem Jahr kamen unsere Kinder zur Welt und für mich wurde die Welt wieder besser.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.