Schulhausroman im Mittelpunkt

Inmitten des zweiten Projekttages an der Oberschule Lesum mit Autor Heinz Helle ist die Presse zu Gast, um auf den Schulhausroman aufmerksam zu machen. Neben drei Journalistinnen ist auch Förderer Lothar Franke anwesend, Vorstand der Stiftung Gib Bildung eine Chance. „Begeisterung für Bildung“ ist ihm ein Anliegen, weshalb seine Stiftung auch in Zukunft den Schulhausroman unterstützen wird.

Heinz Helle erzählt den Journalistinnen von seinen Erfahrungen mit den Schulklassen, wobei er vor allem die Herausforderungen beschreibt. „Den Schülern glaubhaft machen, dass sie das können“ sei die erste und schwierigste Aufgabe. Auch für seine eigene Arbeit empfindet Helle den Schulhausroman als inspirierend, weil von Welten erzählt wird, die ihm in seinem Alltag als Schriftsteller verborgen bleiben. Zu sagen: Junge Leute interessieren sich generell nicht für Literatur sei für ihn zu kurz gegriffen. Während der Schreibworkshops macht sich bemerkbar, dass es oft nicht am fehlenden Interesse an Schrift und Sprache liegt, sondern an der fehlenden Möglichkeit, selbst erzählen zu können. Genau das werde durch den Schulhausroman angeboten.

Ebenso schildert Helle die soziale Funktion des Schulhausromans, der schriftliche und sprachliche Entwicklungen begleitet oder sogar bedingt. Der Schulhausroman ist ein demokratischer Prozess. „Meine Geschichte nehmen wir raus“ entscheidet eine Schülerin für sich selbst, weil sie die Themen der anderen selbst spannender findet. Ein gutes Gelingen hängt stark von der Zusammenarbeit der Verantwortlichen ab. „Niemals stellen wir zum Beispiel Autoren und Autorinnen alleine vor eine Schulklasse, sondern bemühen uns immer darum die Lehrkräfte und Schulleitung mit einzubinden“ betont Heike Müller, Geschäftsführerin des Literaturhauses Bremen.

Nach dem Pressetermin gehen die Journalistinnen und Fotografen zusammen mit Heinz Helle in die Schulklasse zurück, die sich vom plötzlichen Blitzlichtgewitter kaum aus der Ruhe bringen lassen. Vierzehn Geschichten entstehen zu den Inhalten Entführung, Angst vor Wasser und Autounfall. Alleine die wunderbaren Titel der Geschichten lassen viel versprechen. Nur zu zweit ist man ein Zwilling oder die Geschichte She means everything to me erzählen von Trennung, Suche und Wiederfinden. Ein Mädchen verliert ihre Zwillingsschwester. Den Verlust, den sie nicht verkraftet, versucht sie zwanghaft wett zu machen, indem sie ein anderes Mädchen in ihre Gewalt nimmt, die ihrer toten Zwillingsschwester ähnlich ist. Ein Beispiel das zeigt, wie die Nachwuchsautoren vielschichtige Handlungen konstruieren. Nichts geschieht zufällig, überall sind die Motivierungen erklärt und nachvollziehbar. Vor psychologischer Tiefe wird nicht zurückgeschreckt, an der Oberfläche bewegt sich nur das was man sehen kann. Darunter ist noch viel mehr – das haben die Schülerinnen und Schüler bereits entdeckt.

Text: Michael Salzmann, Heike Müller
Fotos: Christopher Klerings

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