Mit Bas Böttcher schreiben: Die graue Welt der Amara

Im Klassenzimmer der 8c, an der Oberschule In den Sandwehen, ist man bestens auf das zweite Treffen mit Slam Poet Bas Böttcher vorbereitet. Ideen des ersten Projekttages sind in der Zwischenzeit weiterverfolgt, verändert, und verworfen, die Mappen gefüllt mit Miniaturen. Auch haben sich die Schüler*innen auf Entwürfe von Figuren und Handlungen der Erzählung geeinigt:  ein 14-jähriges Mädchen wird durch ein Ereignis aus ihrer üblichen Welt herausgerissen und sieht fortan eine Welt ohne Farbe, eine Welt in grauen Stufen. Auf der Suche nach gewohnter Wahrnehmung, wird sie begleitet werden von einem guten und einem bösen Jungen, der verdammt gut ausschaut.
Sichtlich erfreut ist Bas Böttcher über konkrete Einigungen, die sich innerhalb der Klasse ergeben haben. Nun macht er es sich zur Aufgabe, zusammen mit den Schüler*innen, Namen und weitere Eigenschaften für die Figuren herauszuarbeiten. Von Mandy zu Ashley, über ein Mädchen namens Peter, bis hin zu Kim. Am Ende setzt sich der Name Amara für die Hauptfigur der Geschichte durch. Alex wird der gute Begleiter von Amara sein – der „good boy“ –, ausgesprochen Älex. Der „bad boy“ bleibt vorerst Junge X.

Nach der Mittagspause steht die erste Schreibphase an und die Handlung soll weiter ausformuliert werden. In fünf Gruppen eingeteilt, füllen die Schüler*innen den Rahmen mit Details. Die gewöhnliche Welt der Amara, eine Welt mit Depressionen und Antidepressiva, verliert nicht nur an Farbe, sondern auch an Geruch und Geschmack. In Amaras neuer Welt – so viel soll verraten sein –, ist ihr Lieblingsessen fad, die Pelmeni mit saurer Sahne ohne Geschmack, Musik ohne Klang. Sie geht hinaus auf die Straße und hofft sich zu täuschen, aber auch dort ist alles grau. Auf der Straße verliert sich das Bewusstsein und Amara wird von Älex ins Krankenhaus gebracht, der zufällig unterwegs ist. Nachdem sie erwacht, wird ihr ein Paket übergeben, in dem sich ein Buch mit nur einer Seite befindet. Was hat es mit der ihr unbekannten Schrift auf sich?

Nach dem zweiten Projekttag sind alle erleichtert, eine tolle Story aus einem Haufen von Ideen herausgefunden zu haben. Zwar ist noch vieles offen und Übergänge zwischen den einzelnen Teilhandlungen müssen geschaffen werden, aber der Rahmen der Handlung steht. Zuversichtlich verkündet Bas Böttcher das Ziel von hundert Seiten. Lieber kleiner werden, als im Voraus klein denken! Nicht nur Amara befindet sich auf der Suche nach den Seiten ihres Buches, auch die 8c wird nun Seite um Seite füllen müssen, bis die graue Welt der Amara wieder ihre Farben zurückbekommt.

Text und Fotos: Michael Salzmann

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