Marvin Marx: „Angelhaken“

Mann, war das krass! Dabei wollte ich doch nur eine Pommes essen. Doch dann krümmte sich plötzlich ein Mann am Boden, weil er einen Angelhaken, den ihm ein Auftragsmörder … Aber fangen wir mal schön von vorne an:
Es war ein schwüler Montagmittag und wir hatten gerade Schulschluss. Meine Eltern waren beide auf der Arbeit und ich beschloss, zum Imbiss am Walle-Center zu fahren. Ich stieg in die Bahn und überlegte, ob ich zu den Pommes noch etwas dazu nehmen sollte. Deswegen hatte ich meine BOB-Karte noch nicht entwertet, als der Kontrolleur vor mir stand. Natürlich tat er so, als wenn ich ein verdammter Schwarzfahrer wäre, dabei hatte ich nur Hunger. Na toll. Ich holte mir ein Ticket und er gab mir die Rechnung mit einem Bußgeld über 20 Euro. Ich gab ihm die 20 Euro lieber sofort, so konnten meine Eltern nicht sauer sein, falls ich ihnen vergessen sollte, davon zu erzählen. Mit reinem Gewissen und guter Laune stieg ich aus der Bahn und ging zielstrebig zum Imbiss. An der Theke bestellte ich mir nur eine Portion Pommes, da ich später noch mit meiner Familie zum Essen in einem Restaurant verabredet war.
Während ich auf meine Pommes wartete, kam ein Motorradfahrer in den Imbiss. Er war mir schon draußen aufgefallen, weil es ein sehr seltenes Motorrad war, das er abgestellt hatte – ich kenne mich damit aus, weil mein Onkel Manfred total motorradbegeistert ist und mich ständig auf irgendwelche Maschinen hinweist. Dann kamen meine Pommes und ich interessierte mich nicht mehr für Motorräder.
Die Pommes waren ganz gut, ich aß und auf einmal, ich hatte meine Pommes noch lange nicht aufgegessen, schrie ein Mann auf. Ich sah zu ihm, konnte aber nicht erkennen, was der Grund für seine Schreierei war.
„Wieso schreien Sie so?“, fragte ich ihn.
„Da war ein Angelhaken im Essen“, sagte der Mann und kippte um. Ich guckte ihn ungläubig an und konnte es einfach nicht fassen.
„Wer tut so etwas?“, fragte ich den Mann, aber der konnte nicht mehr reden und krümmte sich nun auf dem Boden. Ich wusste überhaupt nicht, was ich tun sollte. Instinktiv hob ich den Mann hoch und drückte ihm auf den Bauch, in der Hoffnung, dass der Angelhaken wieder raus käme. Vergebens!
„Ruft einen Rettungswagen und die Polizei!“, schrie ich. Keiner rührte sich. Verdammt, war ich schockiert von den Leuten. Und das sollte ein Rechtsstaat sein!  Ich konzentrierte mich wieder auf den Mann am Boden, der mittlerweile ohnmächtig war. Wer tat so etwas, fragte ich mich erneut und lief zum Verkäufer, nahm ihm seine Schlüssel ab und schloss die Tür ab, damit der Täter nicht entkommen konnte. So einen Angelhaken findet man ja nicht allzu häufig in seinem Essen. Wir mussten warten, bis die Polizei da war. Wie ich es erwartet hatte, klopften sie an die Imbisstür. Ich öffnete und die Sanitäter liefen direkt zu dem Verletzten. Die Polizisten nahmen von uns allen Fingerabdrücke, auch vom Essen, überhaupt vom ganzen Tatort. Nach einer halben Stunde durften wir endlich gehen, aber ich kann dir sagen, dass mir diese halbe Stunde wie eine Ewigkeit vorkam …

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