Malik Ouadane: „Eine Kreuzung im Bremer Westen…“

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Foto: Victor Ströver

Ich stehe an der Waller Kreuzung, warte auf meine Bahn Richtung Innenstadt und beobachte die Leute. Eine Frau kommt mit verschmiertem Mund aus dem Imbiss. In der einen Hand hält sie einen halb angebissenen Döner und mit der anderen tippt sie hektisch eine Nummer in ihr Handy. Plötzlich sieht sie auf, läuft auf die Straßenbahn zu, springt hinein und verschwindet mit der Bahn Richtung Gröpelingen.

Auf der anderen Straßenseite steht ein Mann, der das Kleingeld in seiner Hand zählt. Ob er sich etwas zu essen kaufen möchte? Aber nein, er geht ein paar Meter und verschwindet in diesem komischen Eck-Kiosk. Kaum ist der Mann verschwunden, gibt es einen lauten Knall, der aber nicht aus dem Kiosk kommt. Ich gucke nach rechts und sehe eine Straßenbahn, die frontal ein von links kommendes Auto gerammt hat. Es ist die Bahn, auf die ich schon seit einer Viertelstunde warte, da ich zum Judo-Training muss. „Toll“, denke ich, „jetzt komme ich noch später.“

Ich laufe rüber zu der Unfallstelle und frage den Bahnfahrer, ob alles okay sei. Er nickt. Ich frage ihn, wann die nächste Bahn kommt.  Er antwortet, dass die Bahnen wahrscheinlich erst einmal nicht mehr fahren würden.

„Super!“, denke ich und sehe dem Fahrer des Autos zu, wie er sich erst einmal auf den Bordstein setzt. Er sieht sehr geschockt aus.
Dann kommt auch schon die Polizei mit Sirene und Blaulicht angesaust und sichert sofort die Unfallstelle. Nachdem sie damit fertig sind, kommt ein Polizist zu mir, befragt mich zu dem Tathergang und macht sich Notizen.

Plötzlich bekommt er einen dringenden Funkspruch. Ich höre, dass er zu einem Einsatz in der Nähe von meiner Trainingshalle muss. Ich frage ihn, ob er mich nicht mitnehmen könne. Er lacht, weil er denkt, ich wolle ihn auf den Arm nehmen. Aber es ist mein voller Ernst. Ich muss heute Abend unbedingt zum Training, da ich am Wochenende ein wichtiges Turnier habe.

Ich erzähle ihm das und bettel ein paar Mal. Schließlich stimmt er zu, lässt mich auf der Rückbank seines Polizeiwagens sitzen und bringt mich mit Blaulicht und Sirene zur Trainingshalle, um dann schnell weiterzuflitzen. Ich schaue dem Wagen kurz hinterher, sehe das Blaulicht in der Ferne verschwinden und laufe dann den Weg zur Halle hoch. Zum Glück schaffe ich es noch rechtzeitig zum Trainingsbeginn.

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