Lesetipp im September

Jörg Maurer:  „Unterholz“

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von Lore Kleinert, Leiterin Kultur beim Nordwestradio:

Auf der Alm, da mäht der Tod noch selbst; – nach „Hochsaison“ (2010), „Niedertracht“ (2011)  und  „Oberwasser“ (2012) nun „Unterholz“: hier lässt der bayrische Schriftsteller und Kabarettist Jörg Maurer, Radio Bremen-Krimipreisträger 2013, seinen Kommissar Hubertus Jennerwein im Werdenfelser Land durchs Unterholz stapfen und Leichensachen aufklären. In einem der kunstvoll verknüpften Erzählstränge geht es um Touristenbetten, die um jeden Preis gefüllt werden müssen; Managerseminar heißt das Zauberwort, und dass sich Profikiller auf der Wolzmülleralm zur Weiterbildung einfinden, stört den Bürgermeister des Luftkurorts nicht. Eine der Koryphäen des Mörderhandwerks, genannt die Äbtissin, verliert Gesicht und Leben, und schon gerät das wundervolle Tourismuskonzept in Gefahr. Vertuschung allerwegen, gespickt mit literarischen Anspielungen und Sticheleien gegen den Kulturbetrieb und die Österreicher und mit einer sehr ungewöhnlichen Hauptfigur, einem Klappspaten, der bis dato nicht wusste, dass er zur Tatwaffe werden kann.

Jörg Maurers ebenso liebevolles wie kritisches Panoptikum hält weitere Hauptpersonen parat wie die „Knöcherlputzer“ – kleine Tierchen, die mit einem menschlichen Corpus kein Erbarmen haben, und ein Bestatterpaar  – und nimmt die überwiegend kauzigen bayrischen Ureinwohner in fein ziselierter Sprache ebenso auf die Schippe wie die Verirrungen des Kunstbetriebs und den zeitgeistigen Coaching-Sprachmüll. Und allen 58 Kapiteln ist ein kleines Sprachfundstück zum Begriff „Unterholz“ vorangestellt – sehr vergnüglich zu lesen!

Jörg Maurer: „Unterholz“
erschienen im S. Fischer Verlag
432 S., 16,99 €

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