Katrin Harzmeyer: „Eine Kreuzung im Bremer Westen…“

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Foto: Victor Ströver

Gut, dass ich endlich diesen Lärm nicht mehr ertragen muss, denkt eine Frau, die in ihrer Wohnung Umzugkartons packt. Bestimmt wird es in Australien ruhiger. Ich kann es kaum erwarten endlich aus dieser lauten und unruhigen Stadt zu verschwinden. Endlich raus aus dem Betonkäfig! Schluss mit den ganzen Abgasen und vermüllten Straßen, Schluss mit all den unfreundlichen Menschen auf der Straße, in der Bahn und überhaupt Schluss mit Bremen. Endlich nach 20 Jahren, Schluss mit Bremen!
Was ist Bremen schon? Nur ein Ort, irgendwo auf dieser Welt. Nur ein unbedeutender Punkt auf der Weltkarte! Bremen ist nichts Besonderes, Bremen hat nichts Bedeutendes. Na klar, ein paar Dinge gibt es schon, aber so richtig? Nein! Die Freiheitsstaue ist bedeutend, der Eifelturm und das Opernhaus in Sydney. Das sind Dinge, über die weiß jedes Kind bescheid. Aber fragt man ein Kind: „Was ist der Roland?“, dann antwortet es höchstens: „So heißt mein Papa!“.
Bremen ist ein lauter und unruhiger Ort irgendwo auf der Welt und ich bin froh, wenn ich hier weg bin. Die Frau sieht ein paar Jugendliche die Straße überqueren und hört das Mädchen sagen: „Irgendwann bin ich hier sowieso weg! Ich ziehe nach Amerika und fange in den Straßen von New York ein neues Leben an!“
Die Frau grinst und denkt: „So war ich auch einmal und jetzt erfüllt sich mein Traum!“.
Sie schaut wieder auf die Straße und hört wie der Junge zum Mädchen sagt: „Du spinnst doch! Du wirst eh nie hier raus kommen“.  Die Frau beobachtet, wie die beiden sich verabschieden. Das Mädchen bleibt enttäuscht stehen. Die Frau ruft zu dem Mädchen runter: „Hör nicht auf ihn! Irgendwann kommst du hier raus!“  Das Mädchen lächelt und geht.
Doch, Bremen hat etwas Bedeutendes! An jeder Ecke gibt es Jugendliche mit einem Traum und dieser Traum ist fast immer derselbe: ICH WILL HIER RAUS!!!

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