Jaroslav Rudiš – Ein Portrait

Er ist Reisender zwischen zwei Sprachen und Reisender zwischen Prag und Berlin. Und immer wieder treibt es den tschechischen Schriftsteller und Dramaturgen Jaroslav Rudiš auch nach Bremen. Im szenischen Konzert „Das Schloss“ tritt er als Sänger im Theater Bremen auf und auch sein neuer Roman „Nationalstraße“ soll hier uraufgeführt werden.

Jaroslav Rudis [Quelle: Radio Bremen, Ute Hanefeld]
Jaroslav Rudiš – Foto: Ute Hanefeld, Radio Bremen

Seit fünf, sechs Jahren währt die Beziehung von Jaroslav Rudiš zur Weserstadt schon. Wenn er hier aus dem Zug steigt, bringt er schnell seinen Koffer ins Hotel, macht einen Abstecher in die Sauna und geht dann meistens ins Theater. Und weil für einen Tschechen eine Kneipe mit gutem Bier sehr wichtig ist, ist der Autor abends oft im Viertel zu treffen: „Beim Paulskloster“.

Als Tscheche braucht man so einen Ort, als Bremer sicher auch. Einen Ort an dem man sich gut fühlt. (…) Das ist auch die Essenz der tschechischen Literatur: Oft spielt sie in einer Kneipe, oft werden da Kneipengeschichten zu den großen Geschichten gemacht.

Sauna-Leidenschaft und Liebe für alles auf Schienen

Nicht nur für Kneipengeschichten hat der Tscheche eine Leidenschaft, auch für Bahn-Geschichten schlägt sein Herz. Rudiš kommt aus einer Eisenbahner-Familie, stapelt Kursbücher und liest auch ab und zu mal in Fahrplänen auf der Toilette. Die verschiedenen Fahrpläne und Kursbücher, die er zu Hause hat, sind interessante Zeitzeugen des Weltgeschehens, ist er überzeugt. In Berlin habe er sich vor allem in die U-Bahnen verliebt, wo er bereits einige Geschichten gesammelt hat, schmunzelt er. Viele von ihnen hat er 2004 in sein Buch „Der Himmel unter Berlin“ eingewoben.

Ich war wirklich tagelang unterwegs mit der U-Bahn. Das ist ein Organismus!

Aufgewachsen ist Rudiš im Nordosten Tschechiens, nahe an der polnischen Grenze. Immer wieder kehrt er hierhin zurück, isst Gulasch bei seinen Eltern und besucht auch hier die Lieblingssauna und die Stammkneipe. Und wenn ihm manchmal der Berliner Trubel zu viel wird, wo Jaroslav Rudiš hauptsächlich lebt und arbeitet, zieht er sich in seinem Elternhaus in die Schreibstube zurück und schreibt an einem neuen Werk.

Cover: Jaroslav Rudis, Nationalstraße, Luchterhand [Quelle: Luchterhand]

Quelle: Luchterhand

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„Nationalstraße“ kommt auch in Bremen auf die Bühne

Wie zum Beispiel an seinem letzten Buch „Nationalstraße“. Die Geschichte: In einer Kneipe, irgendwo zwischen Prager Plattenbauten, sitzt ein Mann, der sich Vandam nennt. Er trinkt, raucht und erklärt dem Leser die Welt. Ein Verlierer, der sich durch das Leben prügelt und gegen Menschen hetzt, die nicht sind wie er – Schwule, Zigeuner, Ausländer. Er hat mit sich und der Menschheit abgerechnet, sagt Rudiš. Im Sommer 2016 soll eine Bühnenfassung des Romans am Theater Bremen uraufgeführt werden.

Buchtipp „Nationalstraße“, [4:10]

Bei „2 nach 1“ verrät der Dramaturg und Schriftsteller, wo die schönsten Saunen in der tschechischen Provinz stehen, warum man in einer Kneipe nicht nur ein einzelnes Bier trinken kann und warum er auch Sympathie für den Protagonisten seines neuen Romans hat. Und er beschreibt, wie die Stimmung in seinem Heimatland gegenüber Flüchtlingen ist und worüber dort an Stammtischen gesprochen wird.

Das Gespräch zum Anhören:
Jaroslav Rudiš, [37:54]
Ulrike Petzold hat mit dem Autoren gesprochen.

Jaroslav Rudiš am Theater Bremen: „Das Schloss“ ist ein szenisches Konzert von Jaroslav Rudiš und der Kafka Band nach dem Roman von Franz Kafka. Es wird am 25. Mai 2016 das letzte Mal im Theater am Goetheplatz aufgeführt.

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Quelle: Nordwestradio | 22. März 2016

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