Veronika Kracher: Incels

Bevor Alek Minassian im April 2018 mit einem Auto in eine Menschenmenge in Toronto raste und zehn Menschen ermordete, hinterließ er auf Facebook folgende Nachricht: »The Incel rebellion has already begun! All hail the Supreme Gentleman Elliot Rodger!«. Elliot Rodger hatte 2014 auf dem Campus der Universität von Kalifornien in Santa Barbara sechs Menschen getötet und 13 weitere verletzt. Er hinterließ ein über hundert Seiten langes Manifest, in dem er seine Taten begründete: Sie seien ein Racheakt gegen Frauen, die ihm Liebe und Sex verweigert und demzufolge den Tod verdient hätten.
›Incels‹ ist die Kurzform für ›Involuntary Celibates‹ – unfreiwillig im Zölibat Lebende. Sie treffen sich in Onlineforen und auf Imageboards und lamentieren darüber, keinen Sex zu haben, obwohl dieser ein naturgegebenes männliches Grundrecht sei. Im mildesten Falle artikuliert sich ihr Denken in Depressionen und Selbstmitleid, im schlimmsten Falle in der Glorifizierung von Kindesmissbrauch, sexueller Gewalt oder dem Femizid. Incels sind jedoch keine »schwarzen Schafe« oder »Ausnahmeerscheinungen« innerhalb der kapitalistisch-patriarchalen Verhältnisse, sondern Ausdruck einer Gesellschaft, in der die Abwertung des Weiblichen an der Tagesordnung ist.

Foto: Ventil Verlag

Veronika Kracher, 1990 in München geboren, beschäftigt sich mit der Incel-Subkultur, der Alt-Right, Imageboards wie 4chan und Rechtsterrorismus – irgendjemand muss es ja tun. Weitere Forschungsschwerpunkte sind Feminismus und Patriarchatskritik, Antisemitismus, Literaturtheorie und Popkultur. Regelmäßige Publikationen u.?a. in »konkret«, »Jungle World«, »Neues Deutschland« und »Antifaschistisches Infoblatt«. Wenn sie sich nicht gerade durch die Sümpfe toxischer Online-Kulturen wühlt, guckt sie Horrorfilme, liest Romane von Gisela Elsner, spielt Video- und Pen-and-Paper-Rollenspiele, besucht Postpunk-Konzerte und trinkt Wein.

 


Eine Veranstaltung der Schwankhalle Bremen im Rahmen des Themenschwerpunktes:
„To Die Like a Man. Wohin mit der Maskulinität?“

HINWEIS:
Aufgrund der aktuellen Sicherheits- und Hygienemaßnahmen sind bis auf weiteres keine
Reservierungen möglich (Ausnahmen sind entsprechend gekennzeichnet). Ticketverkauf
online, an allen NWT Vorverkaufsstellen sowie Mittwochs von 17-20 Uhr in der
Schwankhalle. Restkarten an der Abendkasse jeweils ab 1 Stunde vor Veranstaltungsbeginn.

Externer Veranstaltungsort: Kulturzentrum Kukoon
In Kooperation mit dem Golden Shop und dem Kukoon.
Eintritt: 5 Euro

Veranstaltungsdetails

Datum und Uhrzeit
Daten: 22.09.2020
20:00

Ort
Kukoon - Kulturcafé

Kategorie(n)