Rainer Iwersen: „Kreuzersonate“ von Lew Tolstoi

Ein weltliterarischer Rosenkrieg

Als neue kleine Reihe liest Rainer Iwersen Texte literarischer Ehebrecherinnen in der Weltliteratur: »Kreutzersonate« von Lew Tolstoi, »Madame Bovary« von Gustave Flaubert, »Effi Briest« von Theodor Fontane

Mit seiner »Kreutzersonate« schockierte Lew Tolstoi nicht nur seine Leser, sondern auch seine Ehefrau. Die antwortete mit einem eigenen Roman, und ein beispielloser weltliterarischer Rosenkrieg begann. Tolstois umstrittene Erzählung – in der ersten Neuübersetzung seit über fünfzig Jahren – tritt hier in einen faszinierenden Dialog mit Sofja Tolstajas bewegendem Ehedrama.

Das Landgut des Ehepaars Tolstoi war häufig Schauplatz heftiger Meinungsverschiedenheiten. Mit der berühmten «Kreutzersonate» verlagerte sich die Kontroverse auf eine literarische Ebene. Lew Tolstoi erzählt darin die irritierende Geschichte eines innerlich zerrissenen Menschen, den die Eifersucht zu einer unfassbaren Tat treibt – und der seine Ehefrau für sein Verderben verantwortlich macht. Das Buch war ein Skandal: Lew Tolstoi (1818–1910) offenbarte damit eine erschütternde Einstellung der Ehe und den Frauen gegenüber, die Welt sah sich als Zeuge einer persönlichen Abrechnung des Autors mit seiner Ehefrau. (Manesse)


Lew Nikolajewitsch Tolstoi (1828–1910) entstammte einem alten russischen Adelsgeschlecht. Sein Erstlingswerk, eine autobiographische Skizze, wurde 1852 veröffentlicht und hatte bereits großen Erfolg. Nach ausgedehnten Reisen durch Europa heiratete er 1862 die sechzehn Jahre jüngere Sofja Andrejewna Behrs. Das Paar zog sich nach Jasnaja Poljana zurück, wo Tolstoi seine großen Werke schrieb, die ihn weltberühmt machten: »Krieg und Frieden» und »Anna Karenina«. In den 1880er Jahren wandte Tolstoi sich rigoros christlichem Denken und Handeln zu. Alle Kunst, die nicht moralischen Zwecken diente, lehnte er fortan ab. Auch in seine Familie reichte der Konflikt hinein: Tolstoi starb am 20.11.1910 in der Bahnstation Astapowo, nachdem er seine Familie verlassen hatte.

Rainer Iwersen ist Mitbegründer der Bremer Shakespeare Company, übersetzte, inszenierte und spielte Shakespeare und liest seit längerer Zeit regelmäßig im Logbuchladen.


Eintritt: 10 €

Veranstaltungsdetails

Datum und Uhrzeit
Daten: 25.01.2019
19:30

Ort
Buchhandlung Logbuch

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