Lesung aus den „Geschichten vom lieben Gott“

Aus den „Geschichten vom lieben Gott“ liest Cornelius Kopf Finke zur Finissage der Ausstellung mit Stillleben von Werner Zoehl.

Der Dichter Rainer Maria Rilke hat zeitlebens eine kontroverse Auseinandersetzung mit dem christlichen Bild von Gott gesucht. In seinen „Geschichten vom lieben Gott“ war ihm wichtig, Gott aus der Gerücht-Sphäre in die unmittelbare und tägliche Erlebbarkeit zu versetzen. Dazu passt der überwiegend gewählte Märchenton der Geschichten, die sich zu großer Schönheit steigern. Und immer ist von Kindern die Rede, die einen Kontrast bilden zu den Erwachsenen, die den Reichtum ihres Kindseins verloren haben. Für Rilke sind die Kinder wie eine letzte Instanz, wie ein im zeitlich-wörtlichen Sinne jüngstes Gericht.

Wenn Kinder Fragen stellen, geraten Erwachsene häufig an ihre Grenzen: Wie viele Sterne gibt es? Wie sieht der liebe Gott aus? Spricht er chinesisch? In seinen feinfühligen und kurzweiligen „Geschichten vom lieben Gott“ geht Rainer Maria Rilke genau diesen Fragen nach, bringt allen großen und kleinen Lesern Gott und die Welt nahe und hilft dabei, das kleine und große Weh der Menschen zu verstehen. Die Leichtigkeit, mitunter auch Heiterkeit, mit der Rilke sich diesen Fragen über das Dasein des Menschen widmet, bestärkt uns darin, das Leben mit all seinen Schwierigkeiten nicht allzu ernst zu nehmen. In den Geschichten, das ist eine ihrer Botschaften, kommt der liebe Gott auch dann vor, wenn er weder sichtbar wird noch eigentlich von ihm die Rede ist. Und alles ist weit weg von aller spitzfindigen Theologie. Dieser liebe Gott ist bis ins Detail menschlich. Das ist groß erfunden, mehr als einmal herrlich poetisch, mehr als einmal frappierend bildhaft in Worte gesetzt, es ist Dichtung in Prosa.

Veranstaltungsdetails

Datum und Uhrzeit
Daten: 04.10.2019
18:00

Ort
Museum Kunst am Fluss Fischerhude

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