Schulhausroman: Erste Schritte mit Bas Böttcher

Die Oberschule In den Sandwehen hat sich in den letzten Jahren heimlich zu einer Romanschmiede entwickelt. Bereits der zweite Schulhausroman wird in Kooperation mit dem Literaturhaus Bremen umgesetzt. Dieses Mal freuen sich alle auf die Zusammenarbeit mit dem Slam Poeten Bas Böttcher, der zuletzt 2017 den Schulhausroman „Im Abseits“, betreute. Auch das Engagement der Schulleitung und begleitenden Lehrkräfte Harry Schindler und Anna Schwiers, ermöglichen eine neue Auflage des Schulhausromans an der Oberschule in Blumenthal/Lüssum.

Von Routine kann jedoch nicht die Rede sein. Vor allem die Themenfindung ist ein jedes Mal mit Arbeit und Kompromiss verbunden. Möglichst viele Ideen der Schüler/innen sollen umgesetzt werden.  Diese stehen im Vordergrund und bestimmen Inhalt und Form. Nicht Bas Böttcher, nicht die Lehrkräfte, sondern die Schüler/innen der Klasse 8c sind die Autor/innen des Romans. Auch eine der Erwartungen, die bereits an der Tafel stehen, als Bas Böttcher das Klassenzimmer betritt: wir entscheiden.

Renommierte Autoren können behaupten, Romane zu schreiben, die Schüler und Schülerinnen der 8c, werden behaupten können, 25 unterschiedliche Köpfe in einen Roman gesteckt zu haben. Speziell der erste Projekttag ist eine Herausforderung für die Schulklasse, aber auch für Autor Bas Böttcher. Schnell wird deutlich: Es ist den Schüler/innen nicht egal, von was und wie der Roman erzählen soll. Die Schulklasse möchte mit ihrem Roman ernst genommen werden. Keine Märchengeschichte, kein Zaubersimsalabim, soll am Ende die Erklärung für die Handlung sein, sondern mündige Schriftsteller/innen, möchten aus ihrer Welt erzählen und sich mitteilen.

Durch einige Übungen gelingt es Bas Böttcher, der Schulkasse ein Gefühl für Sprache zu vermitteln. Das Unmögliche wird in der Literatur möglich. Haufenweise Wortspiele und Wortfindungen entstehen. So haben die Wände des Klassenzimmers plötzlich Klamotten an, die Bauchtaschen keine Taschen mehr, Bas Böttcher wird zum blondgelockten Glatzkopf. Es gibt ehrliche Diebe und kleine Wolkenkratzer.

Bas Böttcher versucht die Möglichkeiten von Sprache zu erklären: „Stellt euch eine falsche Welt vor, in der alles verkehrt läuft. Der Stift, der alles falsch schreibt, egal wie viel ich gelernt habe. Man backt Kekse und es kommen Koteletts heraus“. Nachdem für die Schüler/innen feststeht, dass sie kein Diktat, keinen Aufsatz zu schreiben haben und bewertet werden, beginnen sie humorvoll mit Wortschätzen zu spielen.

Zum Ende des ersten Tages soll das Thema des Romans bereits eingegrenzt sein. Themen aus den Übungen könnten eine erste Richtung vorgeben. Einige Schüler/innen, haben konkrete Themen mitgebracht, die sie gerne in die Handlung einarbeiten würden. Der Vorschlag einer Schülerin: Eine Figur verliert eine nahestehende Person und verdrängt deren Tod.

An dieser Stelle versucht Bas Böttcher zu erklären, dass eine Erzählung auch logisch funktionieren muss. Entweder hat die Figur übernatürliche Fähigkeiten, mit denen es möglich ist die Toten zu sehen oder eine psychische Erkrankung. Alternativ wäre es möglich, die Handlung als Brief an den Verstorbenen darzustellen. Gegen die Idee einer übernatürlichen Fähigkeit, wehren sich die Schüler/innen. Die Fiktion des Romans soll erfahrbar sein.

Nachdem am Vormittag die gesamte Gruppe an der Ideenfindung beteiligt war, sind es am Nachmittag vor allem Einzelne, die eine konkrete Vorstellung vom Schulhausroman umsetzen möchten. Nun wird die Aufgabe für den nächsten Projekttag sein, Ideen weiterer Schüler/innen in das Konzept der Erzählung aufzunehmen. Für den ersten Projekttag hat die Schulklasse eine Stunde an den üblichen Stundenplan angehängt. Manchen ist anzusehen, dass es nun genug ist mit Wortspielerei. Einige Gedanken sind mit langen Schritten durch den Türspalt entwischt und sind auf dem Weg nach Hause, treten gegen Bälle oder haben Kopfhörer auf. Andere stecken tief in ihrer Vorstellung vom Roman und versuchen Bas Böttcher nach Ende des ersten Workshops weiter von ihren Ideen zu überzeugen.

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Text und Fotos: Michael Salzmann

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