Emma Stark: „Immer diese Castings!“

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Foto: Victor Ströver

Hoffentlich blamiert sie sich nicht, denke ich, als ich meine Freundin Joy zum Casting im Waldau-Theater begleite – ein Casting für die neue Staffel von  „Allein gegen die Zeit“. Eigentlich wollte ich gar nicht mitkommen, aber da Joy mich gezwungen hat, steige ich jetzt mit ihr bei der Haltestelle „Waldau-Theater“ aus der Bahn. Wir gehen über die Waller Kreuzung Richtung Theater.

Joy ist schon megaaufgeregt. Ich selbst finde solche Sachen bescheuert: Leute, die dir sagen, wie gut du schauspielern kannst, oder die dir den großen Durchbruch versprechen. Die meisten von dieses Leuten haben doch selber keine Ahnung von den Sachen, die sie zu bewerten probieren. Und berühmt wird sowieso fast keiner!!!

Joy reist mich aus meinen Gedanken, sie schreit mich förmlich an: „Emma, Emma, Emma! Ich bin als nächstes dran, Scheiße. Ich schaff das nie!“ Sie will abhauen, ich halte sie fest: „Joy du bleibst hier! Ich bin jetzt nicht umsonst mitgekommen. Du gehst da jetzt rein und zeigst es denen!“

Joy schaut mich mit großen Augen an, sie dreht sich um und geht zur Bühne! Ich warte draußen und denke darüber nach, ob Joy noch Zeit für mich und andere Freundinnen haben wird, wenn sie die Rolle bekommen sollte. Wird sie noch auf unsere Schule gehen, frage ich mich. Vielleicht wird sie dann auch so eine hochnäsige Berühmte werden.

Nach 10 Minuten kommt Joy endlich wieder … sie weint. Ich weiß, sie hat es nicht geschafft, und irgendwie bin ich froh darüber, denn jetzt muss ich mir keine Gedanken über so einen Schwachsinn machen, ob Joy nie wieder Zeit hat oder hochnäsig wird.

Joy schaut mich böse an: „Emma, das ist alles deine Schuld. Du hast mich da reingeschickt. Ich habe mich total blamiert. Ich habe kein Wort rausgebracht, dann habe ich angefangen zu heulen und rumgeschrien. Es war so schrecklich!“

Ich probiere, sie zu beruhigen. Es dauert eine Weile, aber langsam gelingt es mir. Sie wischt sich die Tränen aus dem Gesicht, schaut mich an und sagt nur: „Emma, lass uns shoppen gehen.“

Also stehen wir auf, verlassen das Waldau-Theater, gehen wieder über die Kreuzung, steigen in die Straßenbahn und fahren zur Waterfront, um shoppen zu gehen.

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