Der Bremer Schulhausroman erhält Feinschliff

Am Mittwoch trafen sich Poetry Slammer Bas Böttcher und die Klasse 9a der Gesamtschule West zu DSC00560_400ihrem vierten und letzten Schreibworkshop. Bevor der Schulhausroman in den Druck geht, gilt es noch die eine oder andere Textstelle zu überarbeiten, diese gut zu verknüpfen und natürlich dürfen auch Titel, Anfang und ein Schluss nicht fehlen. Bas Böttcher ist frisch aus Berlin angereist und freut sich auf seine Schüler. Der Roman sei zu 90 Prozent fertig, jetzt müsse das, was bereits gut ist, brillant gemacht werden. Die letzten Minuten bevor die Schüler von der Mittagspause in den Raum strömen nutzt er, um eine Timeline an die Tafel zu malen, die sowohl das bereits Erarbeitete, als auch die noch fehlenden Textstücke visuell in einer Grafik verbindet. Langsam füllt sich der Klassenraum. Ein Handschlag hier, ein „Moin Bas“ da, die Schüler freuen sich ihren „Herrn Bas Böttcher“ wiederzusehen.

Für den letzten Workshop hat Bas Böttcher ein klares Aufgabenkonzept parat – heute gebe es weniger Ansagen und dafür umso mehr Schreibphasen. Er animiert die Schüler zur Mitarbeit, doch die DSC00569_500Luft im Klassenraum ist heiß und die Schüler noch nicht ganz bei der Sache. Bas Böttcher greift in die Trickkiste – es darf draußen im Grünen geschrieben werden, unter der Bedingung, dass konzentriert gearbeitet werde. Alena entscheidet sich mit dem Austronauten Andy Gold weiterzuarbeiten, schließlich sei sie es gewesen, die ihn erfunden habe.
Die heute zu verfassenden Texte drehen sich hauptsächlich um die Vernüpfung der bereits erarbeiteten Storyline über Model Beyona, Hartz 5 Empfänger Günni Bissbirne und den Astronauten Andy Gold. Es gehe um die Gegenüberstellung der Realität mit dem Medialen, was genau widerspiegele, in welchen Welten sich die junge Schulhausroman-Generation bewege. An dieser Stelle will Bas Böttcher heute ansetzen und mit Hilfe der Schüler einen Bogen zwischen den öffentlichen und privaten Leben der Charaktere spannen, denn allzu oft habe die Mediale Welt nur wenig mit der Wirklichen zu tun. Es sei schön, wenn den Schülern auf diese Weise neue Perspektiven eröffnet würden und jeder für sich etwas daraus lernen könne.
In kleinen Gruppen aufgeteilt sitzen die Jugendlichen auf dem sonnigen Schulhof, Stift und Schreibheft in DSC00572_600den Händen. Mit der frischen Luft scheint auch die Schreiblust wieder zu kehren, es sind angeregte Diskussionen zu hören. Bas Böttcher lauscht gespannt und gibt jeder Gruppe Anregungen, um die Texte noch tiefgründiger zu gestalten. Wie reagiert Beyona auf Werbung im Fernsehen? Was hält sie von dem Medienrummel um ihre Person? Wer darf den Club der gefallenen Sterne besuchen? Er nimmt sich viel Zeit für die Schüler und lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Es sei wichtig, abzuwarten was komme und den Schülern so Raum zu geben ihre Phantasie auszuleben, so der Autor. Alexandra zerknüllt ihren ersten Entwurf und zielt auf den Papierkorb: „Das war nichts. Ich brauche ein neues Blatt.“ Etwas später präsentiert sie ihren Entwurf zufrieden: „Es macht mir Spaß, meine Inspiration in Worte umzuwandeln.“ „Ich bin fast fertig“, tönt es aus einer anderen Ecke.

DSC00586_600Abschließend werden noch einmal Tische und Stühle gerückt – ein kleiner Erzählkreis entsteht, in dem die letzten Puzzleteile des Romans präsentiert und zusammengesetzt werden sollen. Die Heftseiten rascheln und, ein bisschen stolz und kichernd, lesen die Schüler ihre Texte vor. Die Präsentation sei bereits eine gute Übung für die Schulhausroman-Lesung im Juni, so Bas Böttcher, der schließlich alle Entwürfe einsammelt, um ihnen dann den letzten Schliff zu verleihen. Dabei sei jedoch Vorsicht geboten, denn Filtern könne manchmal ein Verlust sein – es seien schließlich genau diese rohen, ungefilterten Ideen, die das Projekt Schulhausroman so interessant machen. Bas Böttcher und seine Schulhausroman-Autoren scheinen zufrieden mit den Ergebnissen des letzten Workshops. Zur Belohnung slammt Bas noch seine Lyrics zu „Sommersonnengefühl“ und hat auch damit die Schülerinnen und Schüler auf seiner Seite.

Der Schulhausroman erscheint am 1. Juni im Carl Schünemann Verlag und wird am 8. Juni um 18:00 Uhr im Wallsaal der Zentralbibliothek Bremen von den jungen Autoren vorgestellt.

Text & Fotos: Julia Widmer

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