Die Oberschule Sebaldsbrück macht den Anfang

Der erste Workshop für den Schulhausroman startete mit Jutta Reichelt.

Es war ein besonderer Tag: 25 Schülerinnen und Schüler der Oberschule Sebaldsbrück versammelten sich in einem großen Klassenraum für den ersten gemeinsamen Schreibworkshop mit der Bremer Autorin Jutta Reichelt. Innerhalb von neun Monaten werden sie versuchen, gemeinsam ihren ersten Roman zu schreiben. Für Jutta Reichelt ist es allerdings nicht das erste Mal, dass sie die Jugendlichen in ihren Schreibversuchen unterstützt. Für den Schulhausroman 2016 hatte sie den Schülerinnen und Schülern an der Schule am Ernst Reuter Platz in Bremerhaven mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Somit bringt die Schriftstellerin also viel Erfahrung mit. Sie wird den Achtklässlern viele nützliche Tipps mit auf den Weg geben, damit sie am Ende besonders stolz auf ihre Geschichte sein können.

An diesem Freitagmorgen wurden die Jugendlichen natürlich nicht sofort ins kalte Wasser geworfen, sondern sie hatten Zeit die Autorin kennenzulernen. Jutta Reichelt las zuerst einen Auszug aus ihrem Kinderbuch-Manuskript „Max und Emma“ vor, um den Kindern einen ersten Eindruck zu geben, wie eine Geschichte gebaut wird. Die Kennlernrunde ging weiter mit dem Spiel „Stimmt’s“, wo alle Anwesenden, einschließlich der Geschäftsführerin des virtuellen Literaturhaus Bremen Heike Müller und den beiden Lehrkräften Michael Rieling und Tatjana Andersen, mitmachen konnten. Danach bekamen alle Jugendlichen Notizhefte vom Literaturhaus Bremen überreicht, um alle ihren Ideen aufschreiben zu können, egal, wo sie ihnen gerade einfallen: ob in der Schule, zu Hause oder beim Einkaufen.

Der erste wichtige Schreibtipp von Jutta Reichelt am heutigen Vormittag: Geschichten leben von Schwierigkeiten. So sollten die Schülerinnen und Schüler alle möglichen Szenarien aufzählen, die das Leben komplizierter und gefährlicher machen. Naturkatastrophen, psychische Krankheiten, bestimmte Politiker (he who must not be named) bis zum letzten Keks, den die Schwester aufgegessen hat. Aus allen Ecken des Klassenraums hörte man die Jugendlichen, die immer mehr Ideen hervorsprudelten.

Eine Geschichte braucht Figuren und jede Figur braucht einen Namen. Jetzt durften die Mädchen und Jungen sich die ungewöhnlichsten Namen ausdenken: Ismael, Nano, Lucifer; aber auch mit typisch deutschen Namen wie Wolfgang, Melissa und Günther wollten manche Kinder ihre Geschichten schmücken.

Danach wurden die Schülerinnen und Schüler in fünf Schreibgruppen aufgeteilt. Aufgabe war es nun, eine kleine Geschichte für eine Figur, die in eine Schwierigkeit gerät, aufzuschreiben. Der Raum wurde zum Bienenstock, wo die jungen Nachwuchsautoren hochkonzentriert aus dem Blütennektar ihrer Ideen sechs spannungsgeladene Stories entwickelten. Beim abschließenden Vorlesen war es offensichtlich, dass die Jugendlichen von verschiedenen Serien und Filmen inspiriert worden waren. Die Schriftstellerin Jutta Reichelt blieb gelassen. Die Geschichten würden mit der Zeit schon noch persönlicher werden, war ihr zuversichtlicher Kommentar zu den ersten Textergebnissen.
Im November geht es weiter mit den nächsten Schreibworkshops. Es bleibt also noch spannend, welche Geschichte die Schülerinnen und Schüler der Oberschule Sebaldsbrück uns am Ende in ihrem ersten Schulhausroman erzählen.

Text: Natalya Polyakova
Fotos: Literaturhaus Bremen

Kickender Cyborg trifft auf sprechenden Hamster

Man braucht kein Abitur um Autor zu werden: Mit regelmäßigen Schreibaufgaben der Krimiautorin Alexa Stein (Schreib-Coach an der Oberschule In den Sandwehen) und Slam-Poet Bas Böttcher (Autor in der Oberschule Schaumburger Straße) konnten Schülerinnen und Schüler beim Projekt „Bremer Schulhausroman“ ihr erstes eigenes Buch verfassen, das im Schünemann Verlag in Bremen erschienen ist.
Gute Stories sind den Bremer SchülerInnen allemal gelungen: In „Das große Abenteuer mit Bob und seinen Freunden“ der Blumenthaler Jugendlichen will Hamster Bob mit Sabrina und ihren Freunden Julie, Ahmed und Toni einen Schatz finden, der irgendwo unter der Schule versteckt liegt. Die Schaumburger Schulklasse hat mit „Im Abseits“ eine Mischung aus Horror und Teenie-Story geschrieben: Die Protagonistinnen Mira und Celi entdecken eine unterirdische Klinik, in der der böse Arzt Dr. Wolfgang den Fußballer Nico zu einem Cyborg umgestaltet hat…


Beide Schulhausromane sind im Carl Schünemann Verlag erschienen und ab sofort für 5.- € im Buchhandel erhältlich!

>> mehr unter: www.schulhausroman-bremen.de


 

Bremer Schulhausroman: Leidenschaft für die Literatur!

Für die etwa 50 Schülerinnen und Schüler aus den Oberschulen In den Sandwehen und Schaumburger Straße war der 12. Juni ein ganz besonderer Tag. Am Dienstagabend stellten die Klassen 8c und 9c im Wall-Saal der Zentralbibliothek ihre Romane Das große Abenteuer mit Bob und seinen Freunden sowie Im Abseits vor. Die freudige Erwartungshaltung der zahlreich erschienenem Besucher führte bei den jungen Autorinnen und Autoren zunächst zu einiger Aufregung, die Katja Bischoff von der Stadtbibliothek zu dämpfen versuchte. „Hier wird kein Perfektionismus verlangt“, versprach sie, „sondern Leidenschaft für die Literatur.“ Heike Müller, die für das Literaturhaus Bremen den gesamten Schreibprozess der Romane begleitet hatte, lobte die Jugendlichen. „Mit über 20 Mitschülern an einem Roman zu schreiben, ist immer schwierig“, sagte sie. So habe es „neben der Freude auch mal Tränen gegeben“. Trotz allem aber hätten die Klassen gerade in der Schlussphase ihrer achtmonatigen Schreibarbeit „einen richtigen Flow“ entwickelt.

Die eigene Sprache finden

Bevor den jungen Autorinnen und Autoren selbst das Wort gegeben wurde, holte die Moderatorin Lydia Dimitrow die Schirmherrin des Bremer Schulhausromans Alexia Sieling und Richard Reich auf die Bühne. Reich ist der Begründer des Schulhausromans und war extra für die Veranstaltung aus Zürich angereist. Auf Dimitrows Frage, was ihm beim Schulhausroman wichtig sei, antwortete er, dass es ihm generell weniger um das Lesen von Büchern gehe. Seine Idee vom Schulhausroman sei vielmehr, „dass man schreibt und seine eigene Sprache findet.“ Alexia Sieling hob an dem Projekt besonders die Vermittlung wichtiger Schlüsselkompetenzen hervor, die den Schülern im sozialen Bereich und in diversen Lernfeldern zu Gute kämen.

Beim Schreibprozess werden Klassen aus Oberschulen von einem erfahrenen Autoren betreut. Die Krimiautorin Alexa Stein, die mit der 8c der Oberschule In den Sandwehen zusammengearbeitet hatte, bezeichnete sich in ihrer Tätigkeit für die Klasse als „Text-DJ“. Für sie sei es darum gegangen, die unzähligen Ideen der Schüler so zu arrangieren und auszuwählen, dass diese in einem 50-seitigen Roman sinnvoll ihren Platz fänden.

 

Ein sprechender Hamster

Die Schüler aus der 8c lasen jeweils kurze Passagen aus ihrem Roman Das große Abenteuer mit Bob und seinen Freunden vor. Die witzige Geschichte entspannt sich um den Protagonisten Bob, der allerdings kein Mensch, sondern ein Hamster ist. Im Chemieunterricht seiner Herrin Sabrina gerät der Nager an Substanzen, die ihn dazu befähigen, mit Menschen zu sprechen. Allerdings wird Bob Sabrina vom unsympathischen Hausmeister Fock entwendet, der das Mädchen für einen angeblichen Stinkbombenanschlag bestrafen will.

Gerade bei den häufigen Wechseln der Vorlesenden war der Wall-Saal von anerkennenden Pfiffen und Rufen erfüllt. „Ich glaube nicht, dass einer von uns einen Hamster hat“, antwortete die Schülerin Anna-Lena Meyer nach der Lesung auf die entsprechende Frage der Moderatorin. Vielmehr hätte sich die Klasse über das Verhalten der Tiere beim Schreibprozess informiert.

Eine dunkle Zukunft

Der zweite Roman, Im Abseits, wurde vom Schreibcoach Bas Böttcher betreut und handelt von der Frage, wie aus Schlechtem Gutes und aus Gutem Schlechtes werden kann. Der Roman spielt in einer dystopisch angehauchten Zukunft, in der viele Menschen sehr arm sind. Die Schülerin Mira verliebt sich in den Fußballspieler Nico, der vom bösen Dr. Wolfgang schließlich entführt und zu einem Cyborg umgestaltet wird. Als sie davon erfährt, ist der Schock bei Mira groß. So heißt es im Roman: „Verschiedene Gedanken schossen ihr durch den Kopf. Könnte sie eine Maschine lieben?“

Auf die Idee mit der „dunklen“ Zukunft sei die Klasse durch Brainstorming gekommen, sagte der Schüler Fabio. Das heiße aber nicht, dass die Schüler alle Zukunftspessimisten seien.

Bas Böttcher erzählte, dass ihn bei seiner Rolle als Schreibcoach besonders die „Reise ins Ungewisse“ gereizt habe. „Man kann auch als Autor viel von den Schülern lernen und neue Perspektiven auf die Welt erhalten“. Die Schülerin Luise fand am gemeinsamen Schreibprojekt schön, dass jeder in der Klasse etwas geschrieben habe, aus diesen vielen Teilen aber dennoch etwas Ganzes entstanden sei.

Abgerundet wurde der schöne Abend vom Beatboxer MaZn, der unter anderem Darth Vader und Michael Jackson imitierte. Die Höhepunkte der Veranstaltung waren zwei Stücke von Ludovico Einaudi, die von Erik Lion aus der 9c gefühlvoll auf dem Klavier vorgetragen wurden. Während seine Mitschüler geschrieben hätten, würdigte Bas Böttcher ihn vor dem Publikum, habe Erik oft Klavier gespielt und eine inspirierende Atmosphäre für alle geschaffen.

Text: Florian Pieth

Fotos: Christopher Klerings