Die Diaspora

Von Arijan Bakiji

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Mein Vater Murat kam im Jahre 1989 nach Deutschland. Er arbeitete zusammen mit seinem Vater, der fünf Jahre zuvor ausgewandert war, auf einer Baustelle. Als Duo verdienten sie Geld durch schwere Arbeit und schickten viel davon zurück in die Heimat, um den Rest der Familie zu versorgen. Sie hatten es schwer, es war nicht einfach, dort in der Heimat zu leben, weil sie ständig knapp bei Kasse waren.

Nach ein paar Monaten hat mein Vater die Arbeit abgebrochen und fing eine Ausbildung als Schlosser an, nebenbei belegte er noch einen Deutschkurs, denn die deutsche Sprache zu lernen, war für ihn sehr wichtig.

Nach der Ausbildung fing er an, sich um einen Job bei großen Unternehmen zu bewerben, wie zum Beispiel bei ArcelorMittal in Bremen, und das wäre für ihn ein großer Sprung gewesen. Jedoch scheiterten einige Bewerbungsgespräche, vor allem die bei seinem Wunschunternehmen, aber mein Vater gab nicht auf und versuchte es immer wieder weiter, denn er hatte ein Ziel vor Augen.

Durch seine Zielstrebigkeit hat er dann eine feste Arbeitsstelle bekommen und das auch noch in der Firma, in die er schon lange wollte. Anfangs war es sehr schwer für ihn, denn er beherrschte die deutsche Sprache noch nicht gut genug.

Mein Vater kümmerte sich viel um seine Familie und wollte seine drei jüngeren Geschwister auch nach Deutschland holen, damit sie hier ein neues und besseres Leben anfangen konnten, und dies beglückte ihn und auch seinen Vater.

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Im Alter von vierundzwanzig Jahren lernte mein Vater meine Mutter kennen – durch seinen Cousin. Die Frau seines Cousins hatte eine Schwester und so haben sich meine Eltern kennengelernt. Es war nicht schwer für meinen Vater, um ihre Hand zu bitten, denn der Vater meiner Mutter kannte schon die Familie meines Vaters. In den folgenden Monaten haben sie sich verlobt und anschließend auch geheiratet.

Ein Jahr nach der Eheschließung kam meine große Schwester Edona auf die Welt und ein Jahr danach meine andere Schwester: Adisa. Doch meine Eltern wollten noch unbedingt einen Sohn und wollten auch einen großen Altersunterschied zwischen den Kindern vermeiden und versuchten es deshalb zwei Jahre später nochmal.

Nach ein paar Monaten der Schwangerschaft stellte sich für meine Eltern heraus, dass sie einen Sohn bekommen würden.

Einen Monat vor meiner Geburt machten meine Eltern Urlaub in Mazedonien und plötzlich herrschte dort Bürgerkrieg zwischen Albanisch- und Mazedonischstämmigen. Dies war ein Schock für meine Eltern, besonders für meine Mutter, denn sie hatte Angst, dass ihren zwei Töchtern und ihrem Sohn im Bauch etwas passieren würde, jedoch haben es meine Eltern geschafft, wieder nach Deutschland zu fliegen. Meine Mutter spricht bis heute noch über diese Erlebnisse, denn sie haben sie äußerst mitgenommen. Trotz allem bin ich gesund auf die Welt gekommen und das ist die Geschichte meiner Eltern bis zu meiner Geburt.

In Gedenken

Von Yolenn Mindt

Hab dich noch gesehen
Hab dich noch getroffen
Ganz allein und nicht offen
Denn du sagtest nur noch ja und nein
Und hast wahrscheinlich Angst zu weinen
Und ich denke über deine Vergangenheit nach
Dort wo der Frieden einfach so zerbrach
Ein Mann allein an der Macht
Der hat geschrien und die schlimmsten Dinge vollbracht
Der hat Kriege angezettelt und Menschen an ihre Ängste gekettet

Und du?
Du hast dagegen angekämpft
Bist aufgestanden
Hast den Umkehrschluss hinter dem ganzen Hass verstanden
Sie schrien steig in den Zug
Vielleicht nur ein kleiner Betriebsausflug

Doch danach flog alles in die Luft
Und die Bomben schufen eine riesige Schlucht
Die Bomben trennten
Und sortierten
Selbst wenn die ganze Welt rotierte

Sie rotierte um sich selbst
Und schaute ganz genau darauf wie du dich verhältst
Denn ein falsches Wort bedeutete automatisch Massenmord
Dadurch, dass alles zusammen gesteckt worden,
verdienten nur diejenigen einen Orden,
welche nicht dem Bild des Feindes entsprangen
Denn der Feind weckte in ihm ein Verlangen
Weckte den Hass in ihm
Auf den als Reaktion andere versuchen zu fliehen.

Es hörte nicht auf mit der Rassentrennung
Und auf den Anfang folgte eine Verbrennung
Die Anderen bekamen nicht mal einen Gruß
Denn sie waren immer noch bedeckt von Ruß

Wer hilft jetzt den Undankbaren-, den Kleinen-,
Denen, die in der Schublade gelandet sind

Sie alle waren vor Angst ganz blind
Ob alter Mann oder junges Kind
Es wurde keine Rücksicht genommen
Sie selbst waren voreingenommen
Sie versteckten sich in Ihrem Selbsthass
Uns mussten sich ständig Gedanken machen
Über ihren eigenen Pass
Passen sie hier rein mit ihrem angeblich anderen Sein
Oder passen sie sich an und werden langsam zum Stein
Regungslos und grau verschwinden sie in der Masse
Die sie gefühllos verschluckt
Doch auch sie schaut auf die Rasse

Doch du-, du hast geholfen
Du warst halt nicht so unbeholfen
Hast sie über die Grenzen gebracht
Und hast dir Lügen für ihn ausgedacht
Denn er wusste es nicht und kämpfte für ihn
Hielt es für eine Disziplin

Ihr lebtet aneinander vorbei
Und im Endeffekt war keiner von euch beiden frei
Und trotzdem bewundere ich dich
Das mache ich jetzt alles schriftlich
Vielen Dank für deinen Einsatz
Dafür gibt es wirklich keinen Ersatz
Für den Kampf gegen den wohl schlimmsten Hass
Und zwar den-,
Der entscheidet wie viel du wert bist
Anhand deines Passes
Viel mehr Menschen sollten darüber anders denken
Und so schreibe ich den Text
Für dich jetzt im Gedenken