Prager Literaturstipendium

Ausschreibung 2019:

Das virtuelle Literaturhaus Bremen, das Prager Literaturhaus deutschsprachiger Autoren, und der Verein Porta Bohemica e.V. schreiben das „Prager Literaturstipendium“ für deutsche Autorinnen und Autoren aus.

Das Stipendium bietet einen vierwöchigen Aufenthalt in Prag vom 01.09. – 30.09.2019.
Neben kostenfreiem Wohnen in der Stadtmitte umfasst das Stipendium eine einmalige Zahlung von 1.000 Euro und einen Reisekostenzuschuss in Höhe von 100.- €. Während des Stipendiums besteht Präsenzpflicht. Eine Lesung des Prager Literaturhauses im Rahmen der Reihe „Literatur im Park“ wird ebenfalls organisiert. Voraussetzung für das Stipendium ist die Bereitschaft, während des Aufenthaltes ein Blog- Tagebuch zu führen, welches vom Literaturhaus Bremen veröffentlicht wird. Die übrige Zeit steht der künstlerischen Arbeit zur freien Verfügung.

Bewerben können sich Autorinnen und Autoren aus Deutschland, die bereits auf Veröffentlichungen verweisen können. Die Bewerbungsfrist endet am 31. Mai 2019. Einzureichen sind eine Kurzvita mit Bibliographie und ein halbseitiger Prosatext über Prag. Die Unterlagen sind ausschließlich per E-Mail an die Geschäftsführung des Literaturhauses Bremen zu senden: heike.mueller@literaturhaus-bremen.de. Das Literaturhaus behält sich vor, die eingesandten Texte zu veröffentlichen.

Über die Vergabe des „Prager Literaturstipendiums 2.0“ entscheidet eine unabhängige Jury in einem Auswahlverfahren. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Der Preisträger/die Preisträgerin wird Ende Juni bekannt gegeben. 

Das „Prager Literaturstipendium 2.0“ wird realisiert vom Literaturhaus Bremen, dem Prager Literaturhaus deutschsprachiger Autoren und dem Verein Porta Bohemica e.V.
Bisherige Preisträger: Susanne Berkenheger (2010), Christiane Neudecker (2011), Volker Harry Altwasser (2012), Akos Doma (2014), Rena Dumont (2015), Gesa Olkusz (2016), Inge Buck (2017), Juliana Kálnay (2018)


Kontakt: Literaturhaus Bremen [virt.] e.V., Ostertorsteinweg 53, D-28203 Bremen,
fon *49 421 458 5 3939, www.literaturhaus-bremen.de

Tapetenwechsel: Akın Emanuel Şipal und Crauss erhalten Stipendien

Das Förderprogramm „Tapetenwechsel – Ein deutsch-tschechischer Literaturaustausch“ ist eine Form der Schriftstellerförderung, die es Autorinnen und Autoren aus Deutschland ermöglicht, sich während eines Aufenthalts in Tschechien ganz ihren künstlerischen Tätigkeiten zu widmen. Vergangenen Montag hat die Jury den Schriftsteller Akın Emanuel Şipal für das Stipendium in Prag und den Lyriker Crauss für einen Aufenthalt im Kloster Broumov ausgewählt.

Akın Emanuel Şipal, 1991 in Essen geboren, gehört zu den jüngsten Suhrkamp-Autoren. Er studiert Film an der Hochschule für bildende Künste Hamburg. Für sein erstes Theaterstück, Vor Wien, gewann er den bundesweiten Wettbewerb »In Zukunft« 2012, für Santa Monica erhielt er den Förderpreis Literatur der Kulturbehörde Hamburg. Für den erfolgreichen Sezen-Aksu-Liederabend Istanbul schrieb er das Libretto, Ein Haus in der Nähe einer Airbase, uraufgeführt 2018 am Theater Bremen, vertiefte und erweiterte den aktuellen Diskurs über die deutsch-türkische Geschichte. Şipal ist als Drehbuchautor an diversen Kurz- und Langfilmen beteiligt, die auf internationalen Filmfestivals gezeigt wurden. Seit 2016 ist Şipal eng mit dem kulturellen Geschehen in Bremen verbunden, an dem er sich als Theaterautor, Dramaturg und Essayist betei

Şipals Vorhaben, in Prag für eine drei-Generationen-umspannende Geschichte zu recherchieren, in der sich die Entwicklung Europas über Jahrzehnte widerspiegelt, ist zeitgemäß, genre- und kulturübergreifend. In seinen Arbeiten setzt er sich kontinuierlich mit autobiografischen Stoffen auseinander, insbesondere mit der Geschichte dreier Generationen seiner Familie, die von Adana und Istanbul über Ruhrgebiet bis nach Breslau, Brünn und Prag reicht. Sein Großvater väterlicherseits, Kamuran Şipal, gehört außerdem zu den wichtigsten Übersetzer*innen der Türkei und hat u.a. das Werk von Franz Kafka, Siegmund Freud oder Robert Musil den türkischsprachigen Leser*innen zugänglich gemacht. Auf den Spuren seiner Familiengeschichte begibt sich der junge Autor nun für einen Monat nach Prag und verarbeitet seine Recherche in einem neuen Auftragswerk für das Theater Bremen, sowie in einem Essay für die tschechische Literaturzeitschrift HOST.

Für einen Aufenthalt im Kloster Broumov überzeugte die Jury die Bewerbung von Crauss. Der 1971 in Siegen geborene Lyriker stach aus der Vielzahl der hervorragenden Bewerbungen vor allem mit seinem eigenwilligen interdisziplinären Ansatz hervor. Crauss sucht die Erweiterung von Literatur mit Musiker*innen und Künstler*innen zu besonders intensiven genreübergreifenden Dialogen. Die nachhaltige Beeinflussung seiner eigenen Arbeit durch „Tapetenwechsel“, die Erkundung von fremden Orten und die Auseinandersetzung mit anderen Kulturen erklärte seine Motivation für den Antritt des Stipendiums. Crauss studierte allgemeine Literaturwissenschaft sowie Kulturwissenschaften und ist Dozent für Kreatives Schreiben an der Universität Siegen; als Sprach- und Literaturvermittler ist er zudem in der Integrationsförderung bzw. der Kinder- und Jugendbildung tätig. Mitte der 1990er Jahre wurde Crauss durch neue produktive Verfahren einer Videoclip-Ästhetik in der Lyrik einem breiteren Publikum bekannt. Es erschienen populärwissenschaftliche Essays und mehrere Gedichtbände, zuletzt Die Harte Seite des Himmels im Jahr 2018.


Akın Emanuel Şipal und Crauss werden ihr vierwöchiges Aufenthaltsstipendium am 1. Mai antreten. Zusätzlich wird eine Zahlung in Höhe von 1.000.- € pro Stipendium gewährt.

Das Förderprogramm „Tapetenwechsel – Ein deutsch-tschechischer Literaturaustausch“ wird realisiert vom virtuellen Literaturhaus Bremen, globale e.V., den Künstlerhäusern Worpswede, dem Tschechischen Literaturzentrum (Sektion der Mährischen Landesbibliothek), dem Goethe-Institut in Prag und dem Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds.

Online: Preisträgerin Sabine Scho

Im Rahmen ihrer dreimonatigen „Bremer Netzresidenz“ hat die Lyrikerin Sabine Scho einen virtuellen Hochsitz für Tierbeobachtung eingerichtet, der von ihr mit einem literarischen Blog begleitet wird. Dem Blog ab jetzt folgen unter: www.netzresidenz.de.

Fotos: Matthias Holtmann/Sabine Scho

Aufzeichnungen aus einem virtuellen Hochsitz – wer beobachtet die Natur beobachtenden Webcams?
(Records from a virtual raised hide – who watches the wildlife webcams?)

Zum Projekt: Wildlife Webcams gehören heute, nicht zuletzt wegen der dramatischen Ausmaße der Wilderei und der Naturzerstörung, zu jeder Ausstattung von Biodiversitäts-Hotspots, Naturreservaten, Biosphärenzonen, Zoos und Aquarien. Nur, wer schaut sie sich eigentlich an? Welche Naturfilme ohne Regie werden dort gezeigt? Welche Geschichten erzählen die Wild-Livestreams? Werden die wertvollen Gelege von bedrohten Arten bewacht? Zeigen die Webcams verspielte Elefanten an Wasserstellen? Oder stellen sie selbst in Zoos noch sicher, dass sich die Tiere nicht doch noch auf und davon machen? Sind sie gar selbst Teil des Problems, weil sich so auch Wilderer ein gutes Bild davon verschaffen können, wo sich die Tiere wann aufhalten?

Es wird heutzutage sehr viel aufgezeichnet und zum Anschauen bereitgestellt, ohne dass oft überhaupt noch davon Notiz genommen würde. Die Records from a virtual raised hide wollen die Suspense an der Tierbeobachtung neu wecken und dafür sensibilisieren, dass neben den milllionenfach aufgerufenen Tierclips, die auf Konservendeckel snowboardende Krähen oder auf Trampolin springende Füchse zeigen, Natur auch interessant bleibt, wenn wenig Spektakuläres in ihr geschieht, Tiere ihren täglichen Verrichtungen nachgehen und Kameras ihnen stoisch dabei zuschauen, oder auch sehr lange darauf warten müssen, sie überhaupt einmal vor die Linse zu bekommen.

Schauen wir gemeinsam hin und schauen Sie mir dabei zu, wie ich aus meinem virtuellen Hochsitz schreibend begleite, was so meditativ, wie aufregend sein kann: der tierische Alltag.
Schon im ersten Beitrag lernen wir „Lappenohr“ kennen, einen Elefanten mit einem ganz besonderen Merkmal: ein Knickohr zeichnet ihn aus, eine Eigenheit, die man eher bei einem heimischen Feldhasen vermuten würde als bei einem Großsäuger aus Afrika.
Also nichts verpassen: Auf www.netzresidenz.de erwartet uns in den nächsten Wochen ein spannendes literarisches Experiment!

Foto: Matthias Holtmann

Sabine Scho, *1970 in Ochtrup NRW, lebt nach längeren Aufenthalten in Münster, Hamburg und São Paulo heute in Berlin. Nahezu alle ihre Texte sind im Grenzbereich zu Fotografie und Bild angesiedelt. Zwei Gedichtbände und ein Band mit Prosaminiaturen sind bei Kookbooks erschienen: Album und farben, beide 2008, sowie Tiere in Architektur, 2013. Zuletzt wurde sie 2018 mit dem Deutschen Preis für Nature Writing und dem Stipendium der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo 2019 ausgezeichnet.