Benefizlesung mit Eckart von Hirschhausen und Tobias Esch

In der Mitte des Lebens kann einem schon mal die Puste ausgehen. Alles stresst gleichzeitig: Beruf, Kinder, Eltern und die ersten körperlichen Macken, die nicht mehr weggehen. Geht es gefühlt ab 40 nur noch bergab? Nein, sagen Eckart von Hirschhausen und Tobias Esch, im Gegenteil. Die Zufriedenheit nimmt für die meisten Menschen in der zweiten Lebenshälfte zu. Im Dialog gehen die beiden Ärzte auf die Suche nach dem Glück, das durch Erfahrung, Weisheit und Reife wächst.

Die Einnahmen gehen als Spende an die Gemeinde St.Martini Bremen Lesum sowie an die Stiftung „Humor hilft heilen“.


Autorenlesung und -gespräch | 17.12.18 | 15:30 Uhr | Lesumer Lesezeit | Eintritt 15 €
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Ein Schulhausroman-Abenteuer mit Feridun Zaimoglu

Die Neustadt startet durch!

12:40 Uhr. Die Lehrerinnen reißen fünf Seiten vom Flipchart und kleben sie nebeneinander an die Tafel und an die Wand. Die großen Blätter enthalten die ersten Ideen der Klasse 10B der Oberschule Leibnizplatz für den 6. Bremer Schulhausroman. Die erste Begegnung mit Autor Feridun Zaimoglu ist gerade eine Stunde alt, und in dieser Stunde ist schon viel passiert.

Die erste Doppelstunde ist für beide Seiten besonders anstrengend und risikoreich – ein gegenseitiger Findungsprozess, der von allerhöchster Bedeutung ist. Die Atmosphäre ist positiv gespannt. Die Deutschlehrerin Antje Dubral hat die Klasse gut vorbereitet; die fünf Arbeitsgruppen haben sich schon gebildet, alle Schüler und Schülerinnen tragen ihre Namen mit Kreppband auf der Brust. Und sie haben vorab schon einen Ausschnitt aus Zaimoglus KanakSprak gelesen und besprochen.

Auch der berühmte, aber den Jugendlichen noch unbekannte Gast, Feridun Zaimoglu, ist bestens gerüstet und einsatzbereit. Nach der Begrüßung stellt er eine Reihe von Ideen zu Schreibthemen und generell zum Erzählen vor. Es geht um Situationen und um mögliche Handlungsorte, um das Schreiben aus der eigenen Erfahrung und um gründliche Stoffrecherche, die immer erforderlich ist. Anschließend macht Zaimoglu einen Vorschlag, der sich als Novum für den Bremer Schulhausroman herausstellt: Als Autor, der auch fürs Theater schreibt, regt der Schriftsteller die Schüler*innen an, ihren Roman szenisch und dialogisch zu schreiben. Als eine Art Drehbuch oder „Schaustück“ mit Regieanweisungen, das bei der Buchpremiere richtig „performt“ werden kann. Dieser Vorstoß erfährt – wieZaimoglu es nachher selbstironisch formuliert – „keinen Widerstand“. Dennoch: In der ersten Stunde wird noch nichts entschieden.

Anfangs ist der Response der Nachwuchsautor*innen eher zurückhaltend. Es wird untereinander geflüstert, und es wird langsam deutlich, dass viele Ideen und Anregungen im Stuhlkreis kursieren. Manche Schülerinnen und Schüler fühlen sich noch nicht sicher genug, um ihre Vorstellungen in der großen Gruppe vor mehreren erwachsenen Fremden zu äußern. Feridun – inzwischen ist das „Arbeits-Du“ eingeführt worden – greift geschickt Zwischenrufe auf: Gedanken über Themen, Figuren und Handlungsorte. Erergänzt sie und gibt sie in den Kreis zurück. Langsam wird die Klasse lockerer und lauter und es sprudelt nur vor Geistesblitzen: Comedy/Satire; Alltag versus Fantasy, Liebe und/oder Hass („Gangs!“, wirft einer rein), Krankheit, Drogen, Mystery, Glaube…

Plötzlich entsteht über den Begriff „Agentenroman“ ein Erdrutsch von Einwürfen zu „Doppelleben“, „Maske“, „Fassade“, „Betrug“, „Lüge“ hin zu „Schizophrenie“. Nun zeigt der Geräuschpegel, dass es Zeit für Gruppenarbeit ist. Die Stühle werden verschoben, und nach einer Weile hört man in jeder Ecke ein angeregtes Schnattern. Feridun Zaimoglu geht von Gruppe zu Gruppe, fragt nach dem Fortschritt oder belauscht gesprochene Gedanken. In drei der sechs Arbeitsgruppen wird sofort das Thema Drogen verhandelt. Kann es sich durchsetzen?

Eine halbe Stunde später geht die ausführliche, lebendige Gruppenphase zu Ende. Die Lehrerin bittet um Ruhe, Feridun Zaimoglu sammelt die vielen Themenvorschläge. Am Ende des ersten Romanworkshops hat das spannende Abenteuer Schulhausroman volle Fahrt aufgenommen. Mehr soll an dieser Stelle noch nicht verraten werden!

Text: Ian Watson
Fotos: Heike Müller

Online: Preisträgerin Sabine Scho

Im Rahmen ihrer dreimonatigen „Bremer Netzresidenz“ hat die Lyrikerin Sabine Scho einen virtuellen Hochsitz für Tierbeobachtung eingerichtet, der von ihr mit einem literarischen Blog begleitet wird. Dem Blog ab jetzt folgen unter: www.netzresidenz.de.

Fotos: Matthias Holtmann/Sabine Scho

Aufzeichnungen aus einem virtuellen Hochsitz – wer beobachtet die Natur beobachtenden Webcams?
(Records from a virtual raised hide – who watches the wildlife webcams?)

Zum Projekt: Wildlife Webcams gehören heute, nicht zuletzt wegen der dramatischen Ausmaße der Wilderei und der Naturzerstörung, zu jeder Ausstattung von Biodiversitäts-Hotspots, Naturreservaten, Biosphärenzonen, Zoos und Aquarien. Nur, wer schaut sie sich eigentlich an? Welche Naturfilme ohne Regie werden dort gezeigt? Welche Geschichten erzählen die Wild-Livestreams? Werden die wertvollen Gelege von bedrohten Arten bewacht? Zeigen die Webcams verspielte Elefanten an Wasserstellen? Oder stellen sie selbst in Zoos noch sicher, dass sich die Tiere nicht doch noch auf und davon machen? Sind sie gar selbst Teil des Problems, weil sich so auch Wilderer ein gutes Bild davon verschaffen können, wo sich die Tiere wann aufhalten?

Es wird heutzutage sehr viel aufgezeichnet und zum Anschauen bereitgestellt, ohne dass oft überhaupt noch davon Notiz genommen würde. Die Records from a virtual raised hide wollen die Suspense an der Tierbeobachtung neu wecken und dafür sensibilisieren, dass neben den milllionenfach aufgerufenen Tierclips, die auf Konservendeckel snowboardende Krähen oder auf Trampolin springende Füchse zeigen, Natur auch interessant bleibt, wenn wenig Spektakuläres in ihr geschieht, Tiere ihren täglichen Verrichtungen nachgehen und Kameras ihnen stoisch dabei zuschauen, oder auch sehr lange darauf warten müssen, sie überhaupt einmal vor die Linse zu bekommen.

Schauen wir gemeinsam hin und schauen Sie mir dabei zu, wie ich aus meinem virtuellen Hochsitz schreibend begleite, was so meditativ, wie aufregend sein kann: der tierische Alltag.
Schon im ersten Beitrag lernen wir „Lappenohr“ kennen, einen Elefanten mit einem ganz besonderen Merkmal: ein Knickohr zeichnet ihn aus, eine Eigenheit, die man eher bei einem heimischen Feldhasen vermuten würde als bei einem Großsäuger aus Afrika.
Also nichts verpassen: Auf www.netzresidenz.de erwartet uns in den nächsten Wochen ein spannendes literarisches Experiment!

Foto: Matthias Holtmann

Sabine Scho, *1970 in Ochtrup NRW, lebt nach längeren Aufenthalten in Münster, Hamburg und São Paulo heute in Berlin. Nahezu alle ihre Texte sind im Grenzbereich zu Fotografie und Bild angesiedelt. Zwei Gedichtbände und ein Band mit Prosaminiaturen sind bei Kookbooks erschienen: Album und farben, beide 2008, sowie Tiere in Architektur, 2013. Zuletzt wurde sie 2018 mit dem Deutschen Preis für Nature Writing und dem Stipendium der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo 2019 ausgezeichnet.