Buchtipp des Monats: “Makarionissi oder die Insel der Seligen” von Vea Kaiser

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Tobias Pollok (Foto: Vendula Trnkova) empfiehlt pünktlich zum Auftakt des Festivals globale° – Festival für grenzüberschreitende Literatur den neuen Roman der österreichischen Jungautorin Vea Kaiser „Makarionissi oder Die Insel der Seligen“. Der 464-Seiten dicke Wälzer spinnt auf beeindruckende Art und Weise ein weites Geflecht zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen griechischer Sagenwelt und Tagespolitik, zwischen einem kleinen Bergdorf nahe der albanischen Grenze, Amerika, Deutschland, Österreich, der Schweiz und einer fiktiven Insel im Mittelmeer. Und das Beste: Vea Kaiser ist am 02. November zu Gast in Bremen.

Mit 23 Jahren schrieb Vea Kaiser ihr Romandebüt „Blasmusikpopp oder Wie die Wissenschaft in die Berge kam“. Das Buch wurde binnen kürzester Zeit zum Megaerfolg. Über 100.000 verkaufte Exemplare, gefeiert in den Feuilletons der deutschsprachigen Lesergemeinde und Übersetzungen in diverse Sprachen sowie eine Verfilmung sind in Arbeit. Das war 2012. In diesem Jahr hat die Altgriechisch-Studentin mit „Makarionissi oder Die Insel der Seligen“ nachgelegt: Auf 464-Seiten Lesevergnügen.

Und kurz vorweg: Thematisch ist in „Makarionissi“ für jeden etwas dabei: Eine Familiensaga, angelehnt an griechische Heldenmythen. Diverse, teils glückliche, teil unglückliche Liebesbeziehungen. Tagespolitische Ereignisse, begonnen mit der Gastarbeiterbewegung der 1960er Jahre und endend in der europäischen Finanzkrise…

Aber beginnen wir am Anfang, in einem kleinen und ehemals wohlhabenden, griechischen Bergdorf im Jahre 1956. Eleni und Lefti – Cousine und Cousin – werden nach den Plänen ihrer Großmutter „Yiayia“ Maria zur Heirat auserkoren, um die Familienlinie fortzuführen. Doch die alte Frau hat die Zeichen der Götter falsch gedeutet und die Irrfahrt beginnt. Die Charaktere der zwei Protagonisten sind zu verschieden, sie starten in ein Leben zwischen Hildesheim und Chicago, zwischen politischem Aktivismus und deutschem Arbeitsethos. Sie verlieren sich und finden doch irgendwie immer wieder zurück. Zwischen neuen Lebenspartnern und Kindern, zwischen alten Familienbanden und griechischer Fusion-Cuisine hält die Autorin Vea Kaiser die Fäden der Geschichte geschickt in den Händen. Es wird gestritten und geliebt, gelacht und geweint, gestorben und geboren. Und am Ende auf der Insel der Seligen wird sowieso immer wieder alles gut – und das dann mal im Unterschied zur griechischen Mythenwelt.

Wem das nun wie ein wildes Potpourri ohne erkennbaren roten Faden erscheint, wird bei der Lektüre überrascht sein. Nicht allein von der Raffinesse, wie die Österreicherin die über drei Generationen laufende Geschichte zusammenhält, sondern auch von der gewählten Sprache. Verwobene Satzgeflechte ohne jemals den Lesefluss zu beeinträchtigen, manchmal etwas märchenhaft, aber doch stets in der Balance zwischen angemessenem Ernst und anekdotenhafter Leichtigkeit. „Makarionissi oder Die Insel der Seligen“ ist ein überzeugendes Zweitlingswerk und eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

Makarionissi
Vea Kaiser:
„Marionissi oder die Insel der Seligen“

Kiepenheuer und Witsch 2015
gebundene Ausgabe
19,99 Euro
464 Seiten

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