Bremer Schulhausroman: Kurz vor dem großen Auftritt

Der morgendliche Himmel ist wolkenlos. Heute tragen die Jugendlichen keine Schulranzen mit sich. Stattdessen stehen sie vor der Schule um einen Schauspieler herum, der ihnen zuruft, was sie machen sollen: „Klopft euch ab, dann zur Seite gähnen, wandelt die Müdigkeit in Energie um“, sagt er, während die Schüler und er die Hände über die Köpfe strecken.

Wer ist dieser Schauspieler und was macht er mit den Schülern, mag man sich fragen. Für die Antwort müssen wir ein bisschen ausholen: Der Schauspieler heißt Ibrahim Benedikt und er will die Schüler dabei unterstützen, ihren eigenen Roman vorzulesen. Diesen Roman haben die Schülerinnen und Schüler der Oberschule Lesum mithilfe des Autors Heinz Helle im Rahmen des Projekts Bremer Schulhausroman geschrieben. Heute sind sie zu Gast in der Oberschule Sandwehen in Bremen-Blumenthal, um mit der ebenfalls teilnehmenden Blumenthaler 8c die Lesung vorzubereiten und ihre Vorlesetechnik zu verbessern.

 „Jetzt machen wir einfach mal den Anfang“, sagt Ibrahim, als die Klasse nach den Aufwärmübungen in der Halle der Oberschule sich um einen Tisch versammelt hat. Linus und Paula betreten mit ihrem gemeinsamen Roman in der Hand die Bühne. In weißen Lettern steht auf dunklem Hintergrund: „Alice“. Darunter ist der Schatten einer Frau zu erkennen, die auf einer grauen Straße läuft. Die ersten Seiten werden gelesen. Ibrahim fragt nach dem Feedback der Mitschüler, die sich unter anderem mehr Gefühlbetonung wünschen. Ibrahim stimmt zu: „Ihr habt raumfüllende, angenehme Stimmen. Aber ihr habt sehr schnell gelesen. Versucht außerdem Blickkontakt herzustellen.“ So lesen sie ein Kapitel nach dem anderen vor. Immer wieder sagt Ibrahim: „Lauter, bitte.“ Er stellt sich ganz nach hinten, um zu überprüfen, dass auch der Gast in der letzten Reihe die Schüler und Schülerinnen versteht.

Schnell ist die Probestunde vorbei und die 8c darf das Vorlesen üben. Ibrahims Standardverbesserung bleibt: „Lauter!“ Außerdem muss er die Schülerinnen und Schüler immer wieder daran erinnern, nicht zu schnell zu lesen.  „Ihr habt tolle Stimmen. Die dürfen die Leute hören“, versichert er ihnen. Auch der Blick ist ihm wichtig. Das Publikum solle sich angesprochen fühlen. Manchen fällt das gar nicht so leicht, weil sie ihre Stelle im Text verlieren. Ibrahim beruhigt sie aber: „Wenn ihr euch mal verhaspelt ist das nicht schlimm. Ist hier ja nur eine Probe. Probiert alles aus.“ Auch auf die Körperhaltung achtet er. Ecem, Marcel und Aylin sitzen auf der Bühne und lesen abwechselnd ihre zugewiesenen Sätze vor. Ihr Lehrer Harry Schindler ist voller Stolz: „Ich habe ja schon oft gehört, wie ihr die Stelle vorgelesen habt. So war die Betonung am besten!“ Auch Heike, Geschäftsleiterin des Literaturhauses, stimmt zu: „Die Betonung war super.“

Schließlich neigt sich die Probe dem Ende zu. Nach so viel Übung, Lob und Kritik kann es am Donnerstag zur Buchpremiere ja nur gut werden.

Text und Fotos: Lissi Savin

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