Online: Preisträgerin Sabine Scho

Im Rahmen ihrer dreimonatigen „Bremer Netzresidenz“ hat die Lyrikerin Sabine Scho einen virtuellen Hochsitz für Tierbeobachtung eingerichtet, der von ihr mit einem literarischen Blog begleitet wird. Dem Blog ab jetzt folgen unter: www.netzresidenz.de.

Fotos: Matthias Holtmann/Sabine Scho

Aufzeichnungen aus einem virtuellen Hochsitz – wer beobachtet die Natur beobachtenden Webcams?
(Records from a virtual raised hide – who watches the wildlife webcams?)

Zum Projekt: Wildlife Webcams gehören heute, nicht zuletzt wegen der dramatischen Ausmaße der Wilderei und der Naturzerstörung, zu jeder Ausstattung von Biodiversitäts-Hotspots, Naturreservaten, Biosphärenzonen, Zoos und Aquarien. Nur, wer schaut sie sich eigentlich an? Welche Naturfilme ohne Regie werden dort gezeigt? Welche Geschichten erzählen die Wild-Livestreams? Werden die wertvollen Gelege von bedrohten Arten bewacht? Zeigen die Webcams verspielte Elefanten an Wasserstellen? Oder stellen sie selbst in Zoos noch sicher, dass sich die Tiere nicht doch noch auf und davon machen? Sind sie gar selbst Teil des Problems, weil sich so auch Wilderer ein gutes Bild davon verschaffen können, wo sich die Tiere wann aufhalten?

Es wird heutzutage sehr viel aufgezeichnet und zum Anschauen bereitgestellt, ohne dass oft überhaupt noch davon Notiz genommen würde. Die Records from a virtual raised hide wollen die Suspense an der Tierbeobachtung neu wecken und dafür sensibilisieren, dass neben den milllionenfach aufgerufenen Tierclips, die auf Konservendeckel snowboardende Krähen oder auf Trampolin springende Füchse zeigen, Natur auch interessant bleibt, wenn wenig Spektakuläres in ihr geschieht, Tiere ihren täglichen Verrichtungen nachgehen und Kameras ihnen stoisch dabei zuschauen, oder auch sehr lange darauf warten müssen, sie überhaupt einmal vor die Linse zu bekommen.

Schauen wir gemeinsam hin und schauen Sie mir dabei zu, wie ich aus meinem virtuellen Hochsitz schreibend begleite, was so meditativ, wie aufregend sein kann: der tierische Alltag.
Schon im ersten Beitrag lernen wir „Lappenohr“ kennen, einen Elefanten mit einem ganz besonderen Merkmal: ein Knickohr zeichnet ihn aus, eine Eigenheit, die man eher bei einem heimischen Feldhasen vermuten würde als bei einem Großsäuger aus Afrika.
Also nichts verpassen: Auf www.netzresidenz.de erwartet uns in den nächsten Wochen ein spannendes literarisches Experiment!

Foto: Matthias Holtmann

Sabine Scho, *1970 in Ochtrup NRW, lebt nach längeren Aufenthalten in Münster, Hamburg und São Paulo heute in Berlin. Nahezu alle ihre Texte sind im Grenzbereich zu Fotografie und Bild angesiedelt. Zwei Gedichtbände und ein Band mit Prosaminiaturen sind bei Kookbooks erschienen: Album und farben, beide 2008, sowie Tiere in Architektur, 2013. Zuletzt wurde sie 2018 mit dem Deutschen Preis für Nature Writing und dem Stipendium der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo 2019 ausgezeichnet.

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