Bremer Autorenstipendien gehen 2014 an Philipp Böhm und Benjamin Tietjen

Die Jurybegründung zum eingereichten Prosatext von Philipp Böhm: Von einem unerhörten Ereignis berichtet seine Erzählung ›Elektrisches Pferd am Himmel über Berlin‹: Über der Hauptstadt erscheint ein riesiges fliegendes Pferd aus Stahl. Der Erzähler befindet sich mit zwei Begleitern gerade auf dem Majakowskiring und der Leser erfährt von seinen Reflexionen, kurz bevor das Pferd auftauchte, vor allem aber erfährt er von den endlosen Monologen seines Freundes Hartmann, der seit dem Vorabend von Hegel, Majakoski, der Revolution und dem Selbstmord spricht. Erzählt wird dies alles und mehr in einer Prosa, deren sprachliche Kraft und virtuose Verknüpfung von Gegenwart und Vergangenheit, Realität und Phantastik die Jury sofort überzeugte.
Böhm, Philipp

Philipp Böhm, geboren 1988 in Ludwigshafen, hat in Jena ein Bachelorstudium in Germanistik und Politikwissenschaft absolviert. Dort war er zudem Chefredakteur der Uni-Zeitung ›Akrützel‹. Für den Master in Germanistik zog er 2012 nach Bremen. Zurzeit schreibt er seine Abschlussarbeit über Peter Weiss und die ›Ästhetik des Widerstands‹. Seine literarischen Texte hat Böhm bereits auf Lesungen präsentiert, einige seiner Erzählungen wurden in Literaturzeitschriften veröffentlicht.

 

Ein Argument für die Wahl des Textes ›Mister Gute Miene‹ von Benjamin Tietjen war der faszinierende Charakter des Protagonisten. Dieser junge Mann, Alex, 27, wirkt wie aus der Zeit gefallen: Er orientiert sich, auch im Gefühlsleben, so will es scheinen, an toten Literaten, allen voran an Tschechow, oder zumindest an dem Bild, dass er sich von ihm macht. Ein anderes die klare, schnörkellose Sprache, in der erzählt wird, die lakonische Konstruktion von Szenen, die Alex‘ Einsamkeit vorführen. Im Bahnhof schreibt er Lennon’s Verse an die Wände, ohne dass jemand auch nur hinsieht, zu Hause warten nur sein Hund und die sehr alte Zimmervermieterin auf ihn, die Liebe der jungen Frau mit dem Namen Olga kann er nicht erwidern. Überzeugend ist dabei, wie der Autor mit Hilfe von Dingen innere Befindlichkeiten zur Kenntnis bringt: Schachspiel, Möbel, Münzen, ein Apfelrest.

Tietjen_BenjaminBenjamin Tietjen wurde 1983 in Achim geboren. Er studierte Philosophie, Kulturwissenschaft und Germanistik an derUniversität Bremen sowie Architektur an der Hochschule Bremen. Seit 2009 präsentiert er seine Texte im Rahmen von öffentlichen Lesungen und Lesereihen, schreibt Kurzprosa und Essays für’s Radio, veröffentlicht Geschichten in Zeitschriften und Anthologien und regelmäßig eine Rock ‚N‘ Roll-Kolumne. Zurzeit arbeitet Tietjen an einem Romanprojekt.

Zur Förderung des literarischen Nachwuchses vergibt der Senator für Kultur jährlich zwei Stipendien zu je 2500,- Euro an Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die ihren Wohnsitz in Bremen/ Bremerhaven oder dem angrenzenden Umland haben. Die Stipendien sind erstmalig mit der Möglichkeit eines jeweils vierwöchigen Arbeitsaufenthalts in einer Künstlerwohnung in Berlin verbunden.

Zur Jury 2014 gehörten Jan Gerstner (Universität Bremen), Ulrike Marie Hille (VHS Bremen / Autorin), Gudrun Liebe-Ewald (Stadtbibliothek Bremen), Jens-Ulrich Davids (Vorstand Bremer Literaturkontor / Autor) und Betty Kolodzy (Autorin/ Stipendiatin 2013).

Die Lesung der Stipendiaten findet am Mittwoch, den 28. Januar 2015, um 20 Uhr im Café Ambiente, Osterdeich 69a statt. Es moderieren Jan Gerstner und Jens-Ulrich Davids.

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