Sibylle Lewitscharoff

Zu Gast bei den Literarischen Wochen in Bremerhaven 2020

Sibylle Lewitscharoff, 1954 in Stuttgart als Tochter eines bulgarischen Vaters und einer deutschen Mutter geboren, studierte Religionswissenschaften in Berlin, wo sie, nach längeren Aufenthalten in Buenos Aires und Paris, heute lebt. Nach dem Studium arbeitete sie zunächst als Buchhalterin in einer Werbeagentur. Sie veröffentlichte Radiofeatures, Hörspiele und Essays. Für Pong erhielt sie 1998 den Ingeborg-Bachmann-Preis. Es folgten die Romane Der Höfliche Harald (1999), Montgomery (2003) und Consummatus (2006). Der Roman Apostoloff wurde 2009 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. 2013 wurde sie mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet.


Bücher

Von oben

Roman, 2019
Suhrkamp, ISBN: 978-3-518-42893-1
240 Seiten, €24,00

»Vor dem Tod. Nach dem Tod. Das sind zwei grundverschiedene Arten, die eigene Existenz zu erfahren und auf sie zu blicken. Ich weiß, wovon ich spreche, denn ich bin oben.« Aus der Vogelperspektive blickt Sibylle Lewitscharoffs unbehauster Erzähler hinab auf sein eigenes Grab, die hinterbliebenen Freunde und Nachbarn, auf Fremdes und Vertrautes in der unter der Hitze stöhnenden Stadt. Körper- und willenlos driftet er durch den Himmel über Berlin, erscheint mal hier, mal dort, ein stiller Beobachter, Zeuge von Schönem und Schrecklichem, mit übernatürlicher Hör- und Sehkraft begabt, doch zur Handlungsunfähigkeit verdammt. Seine Erinnerungen sind lückenhaft, seine Zukunft ungewiss. Was darf er hoffen, was muss er fürchten: Hölle? Fegefeuer? Himmlisches Paradies?

Das Pfingstwunder

Roman, 2018
Suhrkamp, ISBN: 978-3-518-46841-8
349 Seiten, €12,00

bemüht, dass ihm ein Wort wie »Wunder« nicht leicht über die Lippen kommt.
Der Ort ist prachtvoll, die Stimmung aufgeräumt: Renommierte Dante-Gelehrte aus aller Herren Länder tagen im altehrwürdigen Saal der Malteser auf dem römischen Aventin, mit Blick auf den Petersdom. Im Mittelpunkt steht die Göttliche Komödie, Dantes realismusgetränkter Einblick in die Welt nach dem Tod. Einer der eifrig Debattierenden ist Gottlieb Elsheimer, Frankfurter Romanist und nach eigener Einschätzung eher ein Kandidat fürs Fegefeuer als fürs Paradies. Bei aller Leidenschaft für den Forschungsgegenstand scheint ihm das zunehmend ausgelassene Verhalten der Kollegen seltsamer und seltsamer. Als die Kirchenglocken das Pfingstfest einläuten, bahnt sich ein Ereignis unbegreiflicher Art an

Montgomery

Roman, 2012
Suhrkamp, ISBN: 978-3-518-46321-5
346 Seiten, €9,99

Montgomery ist ein Roman über den Ausbruch aus spießiger Enge, die Suche nach einer anderen Wahrheit und die Doppelbödigkeit der Dinge. Vor dem glitzernden Hintergrund der römischen Cinecittà dringt der Filmproduzent Montgomery Cassini-Stahl in die Tiefen deutscher Vergangenheit ein und wird mit den Schlüsselerlebnissen des eigenen Lebens konfrontiert.

Blumenberg

Roman, 2012
Suhrkamp, ISBN: 978-3-518-46399-4
220 Seiten, €8,99

Groß, gelb, gelassen: mit berückender Selbstverständlichkeit liegt eines Nachts ein Löwe im Arbeitszimmer des angesehenen Philosophen Blumenberg, die Augen ruhig auf den Hausherrn gerichtet. Der gerät, mit einiger Mühe, nicht aus der Fassung, auch nicht, als der Löwe am nächsten Tag in seiner Vorlesung den Mittelgang herabtrottet. Die Bänke sind voll besetzt, aber keiner der Zuhörer scheint den Löwen zu sehen. Ein raffinierter Studentenulk? Oder nicht doch viel eher eine Auszeichnung von höchster Stelle – für den letzten Philosophen, der diesen Löwen zu würdigen versteht? Blumenberg ist nur nebenbei eine Hommage an einen großen Philosophen, vor allem ist es ein Roman voll mitreißendem Sprachwitz, ein Roman über einen hochsympathischen Weltbenenner, dem das Unbenennbare in Gestalt eines umgänglichen Löwen begegnet.

Veranstaltungen


Literarische Wochen Bremerhaven – Sibylle Lewitscharoff: „Von oben“

„Vor dem Tod. Nach dem Tod. Das sind zwei grundverschiedene Arten, die eigene Existenz zu erfahren (…) Ich weiß, wovon ich spreche, denn ich bin oben.“ Aus einer metaphysisch nicht näher beschriebenen Perspektive schaut Sibylle Lewitscharoffs Ich-Erzähler auf das Leben, sei es sein eigenes, sei es das von Freunden oder Fremden. Ein stiller Beobachter von übernatürlicher Seh- und Hörkraft blickt auf eine Welt voller Geschwätz und ist dabei dennoch zur Handlungsunfähigkeit verdammt. Mit ihren Beobachtungen über das heutige Berlin gelingt Sibylle Lewitscharoff ein humorvoller und zugleich pointierter Blick auf das Leben. Im Vordergrund steht dabei immer wieder die Lust der Autorin an der Sprache.

 

Foto: Jürgen Bauer/Suhrkamp

Sibylle Lewitscharoff, 1954 in Stuttgart geboren, studierte Religionswissenschaften in Berlin, wo sie, nach längeren Aufenthalten in Buenos Aires und Paris, heute lebt. Sie veröffentlichte Radiofeatures, Hörspiele, Essays und Romane und erhielt zahlreiche Preise u. a. den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis (2011) und den Georg-Büchner-Preis (2013).

Im Anschluss an die Lesung: Drei Fragen an die Autorin, gestellt von Dr. Beate Porombka, Direktorin der Volkshochschule Bremerhaven


Vorverkauf: 9 € (ermäßigt 8 €), Abendkasse: 10 € (ermäßigt 9 €), Vorverkauf ab 20. Januar in der VHS Bremerhaven. Nähere Infos unter Telefon: 0471 590 – 473

Veranstaltungsdetails

Datum und Uhrzeit
Daten: 16.03.2020
19:30

Ort
Volkshochschule Bremerhaven

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