Norman Ohler

Foto: © Markus Tedeskino

Zu Gast bei der Literarischen Woche 2020.

Norman Ohler, 1970 geboren, ist der Autor von vier von der Presse gefeierten Romanen und zwei Sachbüchern. Sein erster Roman „Die Quotenmaschine“ erschien 1995 zunächst als Hypertext im Netz und gilt als weltweit erster Internet-Roman. „Der totale Rausch“ wurde in mehr als 30 Sprachen übersetzt und stand auf der Bestsellerliste der New York Times. Paramount hat eine Option auf die Filmrechte erworben.


Bücher

Harro & Libertas

Erzählendes Sachbuch, 2019
Kiepenheuer & Witsch, ISBN: 978-3-462-05267-1
496 Seiten, €24,00

Im April 1933 wird Harro Schulze-Boysen, der 23-jährige Herausgeber der unabhängigen Zeitschrift Gegner, von der SS verhaftet und schwer misshandelt. Sein bester Freund, der Jude Henry Erlanger, überlebt die Torturen nicht. Fortan sinnt Harro auf Rache. Als er ein Jahr später die bezaubernde Libertas aus einer alteingesessenen deutschen Adelsfamilie trifft, ist es nicht nur um die beiden geschehen, sondern gemeinsam knüpfen sie ein Netzwerk, das sich länger als jede andere Gruppierung dem Naziterror entgegenstellt. Bis zur Entdeckung der Gruppe – von der Gestapo „Rote Kapelle“ genannt – im Sommer 1942 vereinen Harro und Libertas über 150 meist junge, häufig künstlerisch veranlagte Menschen. Gleichzeitig leben Libertas und Harro einen offenen Liebes- und Lebensstil und weigern sich, ihre Freiheiten, auch was das intime Zusammenleben betrifft, der rigiden NS-Moral unterzuordnen. Es ist der Widerstand der Berliner Boheme.

Die Gleichung des Lebens

Roman, 2017
Kiepenheuer & Witsch, ISBN: 978-3-462-05285-5
416 Seiten, €12,00

Friedrich II. schickt sein versponnenes Mathematikgenie Leonhard Euler in die Wildnis, um Natur zu berechnen – doch ein Mord und eine Frau namens Oda, die Euler in den Weiten des Sumpfes kennenlernt, werfen die Gleichung des ehrgeizigen Königs über den Haufen.
Sommer 1747. Friedrich II. will das unwegsame, von aufsässigen wendischen Fischern bewohnte Oderbruch trockenlegen. Wo noch Fische, Schildkröten und Wasservögel in überwältigender Artenvielfalt leben, sollen Kühe grasen und die Kartoffel wachsen. Als die Leiche des Ingenieurs für den neuen Kanal am Ufer der Faulen See angetrieben wird, steht Leonhard Euler vor einer Herausforderung, die ihn und das aufklärerische Denken selbst an eine Grenze bringt. Denn die urtümliche Sumpflandschaft, die dem Untergang geweiht ist, wehrt sich mit allen Mitteln …

Der totale Rausch

Sachbuch, 2015
Kiepenheuer & Witsch, ISBN: 978-3-462-05035-6
386 Seiten, €10,99

Drogen im Dritten Reich: Norman Ohler geht den Tätern von damals buchstäblich unter die Haut und schaut direkt in ihre Blutbahnen hinein. Arisch rein ging es darin nicht zu, sondern chemisch deutsch – und ziemlich toxisch. Wo die Ideologie für Fanatismus und „Endsieg“ nicht mehr ausreichte, wurde hemmungslos nachgeholfen. Als Deutschland 1940 Frankreich überfiel, standen die Soldaten der Wehrmacht unter 35 Millionen Dosierungen Pervitin. Das Präparat – heute als Crystal Meth bekannt – machte den Blitzkrieg erst möglich. Auch der vermeintliche Abstinenzler Hitler griff gerne zur pharmakologischen Stimulanz: Als er im Winter 1944 seine letzte Offensive befehligte, war er längst süchtig nach Eukodal, einem Opiat stärker als Heroin. Nur so konnte der Diktator seinen Wahn bis zum Schluss aufrechterhalten.

Stadt des Goldes

Roman, 2002
Kiepenheuer & Witsch, ISBN: 978-3-462-04985-5
256 Seiten, €14,00

Unmittelbar nach Ende der Apartheid zieht die junge Lucy Tshabalala von Soweto nach Johannesburg. Sie landet in Ponte City, dem inoffiziellen Wahrzeichen der Stadt: einem 54 Stockwerke hohen Wohnturm der Träume und Schrecken – dem angeblich gefährlichsten Hochhaus der Welt. Dort trifft Lucy auf Umshlanga, einen charismatischen Gangster, der sie als Drogenkurierin in die USA schickt – mit fatalen Folgen… Jahre später kehrt Lucy nach Ponte City zurück. Ihr folgt Roman Kraner, ein Hustler-Reporter aus Berlin, der nur mal schnell ans Ende der Welt reisen wollte, um ein bisschen Spaß zu haben. Doch Lucy hat noch eine Rechnung offen, und plötzlich geht es um Leben und Tod.

Mitte

Roman, 2001
Kiepenheuer & Witsch, ISBN: 978-3-462-04984-8
256 Seiten, €14,00

Klinger ist mit seinem Online-Job in London gescheitert und zieht nach Berlin, wo er sich als Kaufhausdetektiv durchschlägt. Auf der Suche nach einer billigen Bleibe gerät er an ein verfallenes Haus am Hackeschen Markt. Von diesem Ort magisch angezogen, unterschreibt er den kuriosen Mietvertrag: Keinesfalls darf er die Gegenstände anrühren, die sein Vormieter in der Wohnung zurückgelassen hat. Bald nach seinem Einzug geschehen merkwürdige Dinge. Eines Tages schließlich trifft er in den Zimmerfluchten auf Igor, einen DJ und Computerfreak, der mit neuartigen Drogen experimentiert. Der stille Mitbewohner taucht stets unerwartet auf, um dann wieder spurlos zu verschwinden. Langsam begreift Klinger, dass Igor ein Überlebender der Wende ist, ein Anarchist und Romantiker, der sich gegen die jüngsten Entwicklungen sträubt und nur ein Ziel kennt: den Kampf um Mitte für sich zu entscheiden – und Klinger zum Verbündeten zu machen. Als sich herausstellt, dass Igor und Klinger die gleiche Frau lieben, geht der Kampf erst richtig los.

Die Quotenmaschine

Roman, 1995
Kiepenheuer & Witsch, ISBN: 978-3-462-04983-1
288 Seiten, €14,00

„Willkommen in Manhattan, wo die Quotenmachinisten frei durch die nächtliche Stadt flottieren, mit Drogen vollgepumpt, in sexueller Ekstase oder sonst wie auf der Flucht vor der Geschichte und den eigenen Biographien.“ Dies ist die Geschichte von Ray, der als stummer Detektiv Maxx Rutenberg Welt und Cyberwelt vermischt, um der eigenen Identität auf die Spur zu kommen. Als Hypertext 1995 veröffentlicht, gilt „Die Quotenmaschine“ als erster Internet-Roman der Literaturgeschichte.