Ingo Schulze

Zu Gast beim Literarischen Herbst Bremerhaven 2018.

Ingo Schulze wurde 1962 in Dresden geboren und lebt in Berlin. Nach dem Studium der klassischen Philologie in Jena arbeitete er zunächst als Schauspieldramaturg und Zeitungsredakteur. Bereits sein erstes Buch „33 Augenblicke des Glücks“, 1995 erschienen, wurde sowohl von der Kritik als auch dem Publikum mit Begeisterung aufgenommen. Ingo Schulzes Werk wurde auch mit internationalen Preisen ausgezeichnet und ist in 30 Sprachen übersetzt.

http://www.ingoschulze.com/


Bücher

Peter Holtz

Roman, 2017
S. Fischer, ISBN: 978-3-10-397204-7
276 Seiten, €22,00

Peter Holtz will das Glück für alle. Schon als Kind praktiziert er die Abschaffung des Geldes, erfindet den Punk aus dem Geist des Arbeiterliedes und bekehrt sich zum Christentum. Als CDU-Mitglied (Ost) kämpft er für eine christlich-kommunistische Demokratie. Doch er wundert sich: Der Lauf der Welt widerspricht aller Logik. Seine Selbstlosigkeit belohnt die Marktwirtschaft mit Reichtum. Hat er sich für das Falsche eingesetzt? Oder für das Richtige, aber auf dem falschen Weg? Und vor allem: Wie wird er das Geld mit Anstand wieder los? Peter Holtz nimmt die Verheißungen des Kapitalismus beim Wort.

Henkerslos

Geschichten, 2013
Hanser Berlin, ISBN: 978-3-446-24405-4
112 Seiten, €14,90

Ein armes Kind schmort im Fleischtopf, ein Vater köpft ohne Sinn und Reue seine Söhne, ein bildschönes Mädchen verspeist ein Wolfsherz. Ingo Schulze und Christine Traber fügen vertraute Motive zu neuen Geschichten, deren Melodie sich wie von selbst zu ergänzen scheint, so sehr haben wir den Klang der Märchen seit Kindertagen verinnerlicht. Doch von nostalgischer Verklärung ist hier nichts zu spüren. Wo Märchen und Mythos ineinandergreifen, entsteht Raum für Widersprüche: Die Figuren verlieren ihre Eindeutigkeit. Was ist gut? Was ist böse? Fragen, die ebenso uralt wie gegenwärtig sind. Sebastian Meschenmoser schafft hierzu zeichnerisch Bilder, in denen das Ungeheuerliche seine Wirkung behauptet.

Adam und Evelyn

Roman, 2008
Berlin Verlag, ISBN: 978-3-8270-0810-7
320 Seiten, €18,00

Die Frauen lieben Adam, weil er ihnen Kleider schneidert, die sie schön und begehrenswert machen. Adam liebt schöne Frauen. Wenn sie erst seine Kleider tragen, begehrt er sie alle, und abgesehen davon liebt er Evelyn. Die ertappt ihn eines heißen Augusttages 1989 in flagranti mit einem seiner Geschöpfe. Statt mit Adam fährt Evelyn gemeinsam mit einer Freundin und deren Westcousin nach Ungarn an den Balaton. Adam setzt sich mit seinem alten Wartburg dem roten Passat auf die Spur. Für Evelyn würde er bis ans Ende der Welt fahren – und vielleicht muss er das auch, denn Ungarn will die Grenze gen Westen öffnen. Plötzlich ist die verbotene Frucht greifbar, und alle müssen sich entscheiden.

Handy - Dreizehn Geschichten in alter Manier

Kurzgeschichten, 2007
Berlin Verlag, ISBN: 978-3-8270-0720-9
288 Seiten, €19,90

Silvester 1999, die Millennium-Nacht in Berlin. Frank Reichert, als ostdeutscher Jungunternehmer erfolgreich im Westen angekommen, begegnet Julia, seiner verlorenen großen Liebe. Seit der Trennung wandelt er wie ein Fremder durchs Leben. Jetzt wird das Ende der Nacht zu einem Neubeginn. Zwischen Abschied und Aufbruch taumeln fast alle Figuren in Ingo Schulzes neuen Erzählungen. Oft reicht schon ein einziger irritierender Blick, um das scheinbar harmonische Gefüge einer frischen Liebe, einer nachbarschaftlichen Bekanntschaft oder eines unbeschwerten Urlaubs aus den Angeln zu heben. Ob im Friseurladen in Manhattan, in einer Datscha im Berliner Umland – stets umgibt eine Atmosphäre diffuser Bedrohung die selbstgeschaffenen Fluchtorte.

Neue Leben

Roman, 2005
Berlin Verlag, ISBN: 978-3-8270-0052-1
752 Seiten, €24,00

Ostdeutsche Provinz, Januar 1990. Enrico Türmer, Theatermann und heimlicher Schriftsteller, kehrt der Kunst den Rücken und heuert bei einer neu gegründeten Zeitung an. Scheinbar erlöst vom Zwang, die Welt zu beschreiben, stürzt Türmer sich ins tätige Leben. Unter der Leitung seines Mephisto, des allgegenwärtigen Clemens von Barrista, entwickelt der Schöngeist einen ungeahnten Aufstiegswillen. Von dieser Lebenswende in Zeiten des Umbruchs erzählen die Briefe Enrico Türmers, geschrieben im ersten Halbjahr 1990 an seine drei Lieben – an die Schwester Vera, den Jugendfreund Johann und an Nicoletta, die Unerreichbare. Während er den Kapitalismus für sich entdeckt und von den Abenteuern des Geschäftsmannes berichtet, trägt er die Schichten seines bisherigen Lebens ab. Dabei entsteht, wovon Türmer so lange geträumt hat: Der Roman seines Lebens, in dessen Facetten sich die Zeitgeschichte bricht und spiegelt.

33 Augenblicke des Glücks

Roman, 1995
dtv, ISBN: 978-3-423-19129-6
320 Seiten, €9,90

Aus den abenteuerlichen Aufzeichnungen der Deutschen in Piter: Die einzelnen Episoden dieses Prosadebüts erzählen von einer Stadt, die schon Generationen von Schriftstellern, Künstlern, Musikern und Lesern fasziniert hat. Die quicklebendige Stadt an der Newa, wo die Pracht der Vergangenheit sich mit den Schrecken der Gegenwart mischt, eignet sich vorzüglich als Projektionsfläche für Schulzes literarische Phantasien.