Dogan Akhanli

Foto: Privat

Zu Gast im Theater Bremen 2019
Zu Gast bei der Globale 2018.

Doğan Akhanlı, 1957 in der Türkei geboren, hat zahlreiche Romane und ein Theaterstück verfasst. „Die Tage ohne Vater” (dt. 2016) und „Madonnas letzter Traum” (türk. 2005) wurden zu den wichtigsten Romanveröffentlichungen der Türkei gewählt. 2013 erhielt er den Pfarrer-Georg-Fritze Preis in Köln, 2018 den Europäischen Toleranzpreis in Österreich. 1991 musste Akhanlı aus der Türkei fliehen und kam als politischer Flüchtling nach Deutschland. Seit 1992 lebt er in Köln. Sein Kernthema ist die Auseinandersetzung mit den Genoziden des 20. Jahrhunderts. Aufgrund seiner politischen Haltung war er mehrfach in der Türkei inhaftiert; zuletzt wurde er 2017 in Spanien aufgrund eines türkischen Haftbefehls festgenommen und schrieb darüber das Buch „Verhaftung in Granada“.
2019 wird Doğan Akhanlı mit der Goethe-Medaille ausgezeichnet. Damit ehrt das Goethe-Institut Persönlichkeiten, die sich in besonderer Weise um die Vermittlung der deutschen Sprache sowie den internationalen Kulturaustausch verdient gemacht haben.


Bücher

Madonnas letzter Traum

Roman, 2019
Sujet Verlag, ISBN: 978–3-96202–042-2
472 Seiten, €24,80

Doğan Akhanlı greift in Madonnas letzter Traum die Novelle Madonna im Pelzmantel des türkischen Dichters Sabahattin Ali auf und schreibt sie neu. Akhanlı macht Ali selbst zur Romanfigur. Auf seinem Weg ins Exil wird er 1948 von Angehörigen des türkischen Geheimdienstes getötet. Unmittelbar vor seinem Ableben gesteht er, Maria Puder sei in Wirklichkeit anders gestorben als in seiner Novelle. Madonnas letzter Traum ist der Versuch, die wahre Geschichte des Lebens und Todes von Maria Puder in der NS-Zeit zu entdecken. Der Roman verwebt fiktionale Elemente mit wahren historischen Ereignissen.

Verhaftung in Granada

Erinnerungen, 2018
Kiepenheuer&Witsch, ISBN: 978-3-462-05183-4
224 Seiten, €9,99

oder Treibt die Türkei in die Diktatur? 19. August 2017: Spanische Polizisten verhaften Doğan Akhanlı, einen deutschen Staatsbürger, in Granada. Die Türkei hatte ihn über Interpol zur Festnahme ausgeschrieben. Die Tür seiner Zelle schließt sich hinter ihm – wieder einmal: Wie in einer Zeitkrümmung durchlebt er erneut die Monate und Jahre, die er in der Türkei als politischer Häftling verbracht hat – 1975, 1985–1987 und ab August 2010.

Die Tage ohne Vater

Roman, 2016
kitab, ISBN: 978-3902878656
193 Seiten, €18,50

Gleichsam mit dem letzten Atemzug findet der Vater die Formel, welche die Zahlen und die Liebe miteinander verbindet. Im ausgehenden 20. Jahrhundert flieht der Musiker Mehmet Nazim aus seinem Heimatland ins politische Asyl nach Köln. Die Erinnerungen an seinen Vater, den genialen Mathematiker, und an seine Kindheit begleiten Mehmet Nazim. Dabei werden politischen Kämpfe in der Türkei der 70er Jahre lebendig. Ihm eröffnet sich die Welt durch die Musik, mit ihr offenbaren sich die Spuren der Geschichte, seiner eigenen, seines Landes, seiner Liebe, der katastrophischen politischen Ereignisse.

Die Richter des jüngsten Gerichts

Roman, 2007
kitab, ISBN: 978-3902005984
240 Seiten, €18,00

Ein „Zeitreisender“, der weise Ümit Bey aus Izmir, steht im Zentrum. Zu den Zeitsprüngen kommen verschiedene Identitätswechsel: Ümit erlebt sich zeitweise als Armenier und Angehöriger der Opfer. Zugleich fordern Ümit Beys Identitätswechsel, aber auch die Schicksalsläufe einiger armenischer Protagonisten das Selbstverständnis einer Gesellschaft heraus, die sich nie in vollem Umfang ihrer nationalen Vergangenheit und noch nicht allzu weit entfernten Präsenz der Opfer bewusst werden konnte.