Arno Geiger

Bremer Literaturpreis 2019
Foto: Heribert Corn

Arno Geiger wurde 1968 in Bregenz, Vorarlberg, Österreich, geboren. Er lebt seit 1993 als freier Schriftsteller in Wien und Wolfurt. 1997 erschien sein Debütroman „Kleine Schule des Karussellfahrens“. Als Leitmotiv seines Kunst- und Lebensverständnisses formuliert Arno Geiger: „Kunst bewahrt den Menschen nicht vor dem Chaos, sondern vor der Ordnung. Kunst bewahrt das Individuum vor dem eindimensionalen Blick. Einzigartig ist der Mensch nicht auf einfache, sondern auf komplizierte Art.“ Er erhielt unter anderem den Deutschen Buchpreis (2005), den Hebel-Preis (2008), den Hölderlin-Preis (2011), den Literaturpreis der Adenauer-Stiftung (2011), den Alemannischen Literaturpreis (2017) und den Joseph-Breitbach-Preis (2018).


Bücher

Unter der Drachenwand

Roman, 2018
Hanser, ISBN: 978-3-446-25812-9
480 Seiten, €26,00

Veit Kolbe verbringt ein paar Monate am Mondsee, unter der Drachenwand, und trifft hier zwei junge Frauen. Doch Veit ist Soldat auf Urlaub, in Russland verwundet. Was Margot und Margarete mit ihm teilen, ist seine Hoffnung, dass irgendwann wieder das Leben beginnt. Es ist 1944, der Weltkrieg verloren, doch wie lang dauert er noch? Arno Geiger erzählt von Veits Alpträumen, vom „Brasilianer“, der von der Rückkehr nach Rio de Janeiro träumt, von der seltsamen Normalität in diesem Dorf in Österreich – und von der Liebe. Ein Roman über den einzelnen Menschen und die Macht der Geschichte, über das Persönlichste und den Krieg, über die Toten und die Überlebenden.

Selbstporträt mit Flusspferd

Roman, 2015
Hanser, ISBN: 978-3-446-24761-1
288 Seiten, €19,90

Wie fühlt es sich an, heute jung zu sein? Arno Geiger erzählt von Julian, einem Studenten der Veterinärmedizin, der seine erste Trennung erlebt und erstaunt ist, wie viel Unordnung so eine Trennung schafft. Um die Unordnung ein wenig zu lindern, übernimmt er bei Professor Beham die Pflege eines Zwergflusspferds, das bald den Rhythmus des Sommers bestimmt: Es isst, gähnt, taucht und stinkt. Julian verliebt sich in Aiko, die Tochter des Professors, verfolgt beunruhigt, wie täglich Schockwellen von Katastrophen um den Erdball fluten und durchlebt eine Zeit des Umbruchs und Neuanfangs. Ein Roman über die Suche nach einem Platz in der Welt.

Grenzgehen

Reden, 2011
Hanser, ISBN: 978-3-446-23914-2
80 Seiten, €7,00

Seit dem großen Erfolg von „Es geht uns gut“ bei Publikum und Kritik ist Arno Geiger einer der angesehensten Gegenwartsautoren. Der Autor aus Österreich wurde für sein Werk mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Deutschen Buchpreis im Jahr 2005. „Grenzgehen“ vereinigt drei Reden, in denen Geiger aus Anlass von Preisverleihungen ausführlich über das eigene Schreiben spricht.

Der alte König in seinem Exil

Prosa, 2011
Hanser, ISBN: 978-3-446-23634-9
192 Seiten, €20,00

Arno Geiger hat ein berührendes Buch über seinen Vater geschrieben, der trotz seiner Alzheimerkrankheit mit Vitalität, Witz und Klugheit beeindruckt. Die Krankheit löst langsam seine Erinnerung und seine Orientierung in der Gegenwart auf, lässt sein Leben abhandenkommen. Arno Geiger erzählt, wie er nochmals Freundschaft mit seinem Vater schließt und ihn viele Jahre begleitet. In nur scheinbar sinnlosen und oft so wunderbar poetischen Sätzen entdeckt er, dass es auch im Alter in der Person des Vaters noch alles gibt: Charme, Witz, Selbstbewusstsein und Würde. Arno Geigers Buch ist lebendig, oft komisch. In seiner tief berührenden Geschichte erzählt er von einem Leben, das es immer noch zutiefst wert ist, gelebt zu werden.

Alles über Sally

Roman, 2010
Hanser, ISBN: 978-3-446-23484-0
368 Seiten, €21,50

Alfred und Sally sind schon reichlich lange verheiratet. Das Leben geht seinen Gang, allzu ruhig, wenn man Sally fragt. Als Einbrecher ihr Vorstadthaus in Wien heimsuchen, ist plötzlich nicht nur die häusliche Ordnung dahin: In einem Anfall von trotzigem Lebenshunger beginnt Sally ein Verhältnis mit Alfreds bestem Freund. Und Alfred stellt sich endlich die entscheidende Frage: Was weiß ich von dieser Frau, nach dreißig gemeinsamen Jahren? Eine Geschichte von Ehe und Liebe in unserer Zeit.

Anna nicht vergessen

Erzählungen, 2007
Hanser, ISBN: 978-3-446-26159-4
256 Seiten, €9,99

Lukas nimmt Abschied von Berlin. Dort ist einiges schiefgelaufen, und so verbringt er auch die letzte Nacht vor der Rückkehr nach Wien auf der Gästecouch einer todmüden Kellnerin. Am Morgen ist sie nicht wach zu kriegen, und als der Klempner klingelt, findet der junge Mann plötzlich einen Zuhörer, dem er ein ganz anderes Leben erzählen kann, das Leben, das er sich wünschen würde und eine große glückliche Liebe.

Es geht uns gut

Roman, 2005
Hanser, ISBN: 978-3-446-20650-2
392 Seiten, €21,50

Philipp Erlach hat das Haus seiner Großmutter in der Wiener Vorstadt geerbt, und die Familiengeschichte, von der er definitiv nichts wissen will, sitzt ihm nun im Nacken. Arno Geiger erzählt sie, als sei sie gegenwärtig: Von Alma und Richard, die 1938 gerade Ingrid bekommen und nichts mit den Nazis zu tun haben wollen. Vom fünfzehnjährigen Peter, der 1945 mit den letzten Hitlerjungen durch die zerbombten Straßen läuft. Von Ingrid, die mit dem Studenten Peter eine eigene Familie gründen will, und von Philipp, dem Sohn der beiden. Arno Geiger gelingt es, ein trauriges und komisches Jahrhundert lebendig zu machen.

Schöne Freunde

Roman, 2002
Hanser, ISBN: 978-3-446-20211-5
170 Seiten, €15,90

Arno Geiger, Meister sprudelnder Sprachphantasie, beweist in „Schöne Freunde“, dass er es versteht, Romane zu schreiben, die zwar die Untiefen der menschlichen Seele berühren, aber doch durch und durch komisch sind. „Schöne Freunde“ ist ein Roman über das Ende der Kindheit – ein ganz eigener, unvergleichlicher Ton in der Gegenwartsliteratur.

Irrlichterloh

Roman, 1999
Hanser, ISBN: 978-3-446-19779-4
200 Seiten, €13,90

Ein heißer Großstadtsommer, zu heiß für lange Haare. Doch als Ann-Kathrin plötzlich mit neuer Frisur daherkommt, weiß Jonas, daß Veränderungen vor der Tür stehen. Keine guten: Ohne ein Wort ist Ann-Kathrin auf und davon, und noch dazu in Begleitung von Jonas‘ Chef persönlich; im Reisegepäck ein Bild, das Jonas gehört, ein Mädchenporträt von möglicherweise großem Wert. So daß fraglich ist, ob die Galeristin Ira Constantin tatsächlich hinter Jonas her ist, und nicht nur hinter dem Bild … Arno Geiger inszeniert eine immer schnellere Jagd kreuz und quer durch die Stadt und aus ihr hinaus.

Kleine Schule des Karussellfahrens

Roman, 1997
Hanser, ISBN: 978-3-446-19107-5
248 Seiten, €19,90

Philipp Worovsky ist der Held in Arno Geigers frech-witzigem Debütroman. Ein Taugenichts in den neunziger Jahren, der der abgründigen Leere seiner Generation mit Ironie, Phantasie und „Notlügen“ begegnet. Doch Verwirrung kommt mit dem Mädchen Lila und ihrer Vorliebe für klirrende Fensterscheiben. Sie erweist sich als Virtuosin in der Kunst, mit diesem ordentlichen, allzu vorgezeichneten Leben einmal gründlich Karussell zu fahren. Ein moderner Schelmenroman, von einem, der nichts vom Leben erwartet und doch alles will.

Veranstaltungen


Preisträgerlesung mit Arno Geiger und Heinz Helle

Arno Geiger, Preisträger des Bremer Literaturpreises 2019, liest aus seinem 2018 im Hanser-Verlag erschienenen Roman „Unter der Drachenwand“, der Förderpreisträger Heinz Helle aus seinem 2018 im Suhrkamp Verlag erschienenen Roman „Die Überwindung der Schwerkraft“.


Arno Geiger wurde 1968 in Bregenz, Vorarlberg, Österreich, geboren. Er lebt seit 1993 als freier Schriftsteller in Wien und Wolfurt. 1997 erschien sein Debütroman „Kleine Schule des Karussellfahrens“.

„Unter der Drachenwand“: Veit Kolbe verbringt ein paar Monate am Mondsee, unter der Drachenwand, und trifft hier zwei junge Frauen. Doch Veit ist Soldat auf Urlaub, in Russland verwundet. Was Margot und Margarete mit ihm teilen, ist seine Hoffnung, dass irgendwann wieder das Leben beginnt. Es ist 1944, der Weltkrieg verloren, doch wie lang dauert er noch? Arno Geiger erzählt von Veits Alpträumen, vom „Brasilianer“, der von der Rückkehr nach Rio de Janeiro träumt, von der seltsamen Normalität in diesem Dorf in Österreich – und von der Liebe. Ein Roman über den einzelnen Menschen und die Macht der Geschichte, über das Persönlichste und den Krieg, über die Toten und die Überlebenden.


Heinz Helle wurde 1978 in München geboren, studierte Philosophie in München und New York und ist Absolvent des Schweizerischen Literaturinstituts. Er lebt heute mit Frau und Kind in Zürich.

„Die Überwindung der Schwerkraft“: Zwei Bier, und dann noch zwei – mehr braucht es nicht für etwas Nähe. Doch dass die Wärme des Alkohols nicht wirklich gegen die Kälte hilft, die draußen herrscht, wissen auch die beiden Brüder, die von Kneipe zu Kneipe ziehen. Der ältere trinkt längst ohne jeden Anlass, aus Trauer oder Wut angesichts einer Welt, die von Schmerzen und Leid, von Kriegen und Gewalt bestimmt ist. Und doch erzählt er dem jüngeren an diesem Abend nicht nur von Stalingrad und Marc Dutroux, sondern auch von seinem baldigen Vaterglück. Was beide nicht wissen: Es wird danach kein Wiedersehen geben. Nur einmal telefonieren sie noch miteinander. Der nächste Anruf, neun Monate später, ist die Nachricht vom Tod des älteren Bruders. Was bleibt, sind die Erinnerungen an ihn und Fragen: Warum das Ganze? Was wollen wir auf der Welt? Und was genau soll das überhaupt sein, leben und sterben?


Eintritt frei
Moderation: Dr. Lothar Müller (Süddeutsche Zeitung, Vorsitzender der Jury des Bremer

Literaturpreises 2019)
Die Veranstaltung findet im kleinen Saal statt.

Veranstaltungsdetails

Datum und Uhrzeit
Daten: 27.01.2019
18:00

Ort
Konzerthaus Glocke

Kategorie(n)


Verleihung des 65. Bremer Literaturpreises

Feierliche Verleihung des mit 25.000 EUR dotierten 65. Bremer Literaturpreises an Arno Geiger für seinen Roman „Unter der Drachenwand“ und des Förderpreises an Heinz Helle für seinen Roman „Die Überwindung der Schwerkraft“ durch den Vorsitzenden der Rudolf-Alexander-Schröder-Stiftung, Staatssekretär a.D. Michael Sieber.

Bild: Heribert Corn


Arno Geiger wurde 1968 in Bregenz, Vorarlberg, Österreich, geboren. Er lebt seit 1993 als freier Schriftsteller in Wien und Wolfurt. 1997 erschien sein Debütroman „Kleine Schule des Karussellfahrens“.

„Unter der Drachenwand“: Veit Kolbe verbringt ein paar Monate am Mondsee, unter der Drachenwand, und trifft hier zwei junge Frauen. Doch Veit ist Soldat auf Urlaub, in Russland verwundet. Was Margot und Margarete mit ihm teilen, ist seine Hoffnung, dass irgendwann wieder das Leben beginnt. Es ist 1944, der Weltkrieg verloren, doch wie lang dauert er noch? Arno Geiger erzählt von Veits Alpträumen, vom „Brasilianer“, der von der Rückkehr nach Rio de Janeiro träumt, von der seltsamen Normalität in diesem Dorf in Österreich – und von der Liebe. Ein Roman über den einzelnen Menschen und die Macht der Geschichte, über das Persönlichste und den Krieg, über die Toten und die Überlebenden.


Bild: Suhrkamp Verlag

Heinz Helle wurde 1978 in München geboren, studierte Philosophie in München und New York und ist Absolvent des Schweizerischen Literaturinstituts. Er lebt heute mit Frau und Kind in Zürich.

„Die Überwindung der Schwerkraft“: Zwei Bier, und dann noch zwei – mehr braucht es nicht für etwas Nähe. Doch dass die Wärme des Alkohols nicht wirklich gegen die Kälte hilft, die draußen herrscht, wissen auch die beiden Brüder, die von Kneipe zu Kneipe ziehen. Der ältere trinkt längst ohne jeden Anlass, aus Trauer oder Wut. Und doch erzählt er dem jüngeren an diesem Abend nicht nur von Stalingrad und Marc Dutroux, sondern auch von seinem baldigen Vaterglück. Was beide nicht wissen: Es wird danach kein Wiedersehen geben. Was bleibt, sind die Erinnerungen an ihn und Fragen: Warum das Ganze? Was wollen wir auf der Welt? Und was genau soll das überhaupt sein, leben und sterben?


Begrüßung: Der Senator für Kultur, Bürgermeister Carsten Sieling
Musik: Håkon Kornstad (u.a. Saxophon)
Mit freundlicher Unterstützung von jazzahead!

Veranstaltungsdetails

Datum und Uhrzeit
Daten: 28.01.2019
12:00

Ort
Bremer Rathaus

Kategorie(n)