Angelika Klüssendorf

Foto: © Gene Glover

Zu Gast bei den Literarischen Wochen Bremerhaven 2019.

Angelika Klüssendorf, geboren 1958 in Ahrensburg, lebte von 1961 bis zu ihrer Übersiedlung 1985 in Leipzig; heute lebt sie in der Nähe von Berlin.


Bücher

Jahre später

Roman, 2018
Kiepenheuer & Witsch, ISBN: 978-3-462-04776-9
160 Seiten, €17,00

Auf einer Lesung lernt sie einen Mann kennen, der April zunächst durch seine dreist raumnehmende Art auffällt. Es ist nicht Sympathie, die sie zusammenführt, Intensität. Angelika Klüssendorf erzählt, wie eine Liebe zwischen zwei radikalen Einzelgängern entsteht, die beide mit ihren eigenen Mitteln versuchen, ins Soziale zu finden und zu sich selbst. Es ist eine Geschichte von der Bereitschaft, sich zu öffnen, von glühender Gemeinsamkeit, aber auch den unaufhaltsamen Fliehkräften, die das Paar auseinandertreiben. Ohne jemals Partei zu ergreifen oder seine Figuren zu denunzieren, entwickelt „Jahre später“ die Anatomie einer toxischen Partnerschaft.

April

Roman, 2014
Kiepenheuer & Witsch, ISBN: 978-3-462-04614-4
224 Seiten, €18,99

Am Anfang stehen ein Koffer mit ihren spärlichen Habseligkeiten und ein Zimmer zur Untermiete. Das Mädchen, das sich mittlerweile April nennt, hat die Zeit im Heim hinter sich, die Ausbildung abgebrochen und eine Arbeit als Bürohilfskraft zugewiesen bekommen. Zwischen alten Freunden und neuen Bekannten versucht sie sich im Leipzig der späten 70er-Jahre zurechtzufinden, stößt dabei oft an ihre eigenen Grenzen und überschreitet lustvoll alle, die ihr gesetzt werden, am Ende auch die zwischen den beiden Deutschlands. Aber jedem Ausbruch folgt ein Rückfall, jedem Glücksmoment eine Zerstörung, jedem Rausch die Ernüchterung. Und immer ist da die Frage nach den Kindheitsmustern, der Prägung durch die verantwortungslose Mutter und den alkoholkranken Vater.

Das Mädchen

Roman, 2011
Kiepenheuer & Witsch, ISBN: 978-3-462-04284-9
192 Seiten, €18,99

Angelika Klüssendorf erzählt von einem jungen starken Mädchen, das sich herausarbeitet aus allem, was sie umgibt und niederhält: die tyrannische Mutter, die autoritären Lehrer, der bürokratische Staatsapparat. Am Anfang scheint alles schon zu Ende zu sein: Der Vater trinkt und taucht nur sporadisch auf, die Mutter lässt ihre Wut an den Kindern aus, die Klassenkameraden meiden das Mädchen, der jüngere Bruder kapselt sich völlig ab. Und doch gibt es eine Kraft, die das Mädchen trägt. Die Bilder aus „Brehms Tierleben“, die sie bewundert, der Traum vom kleinen Haus mit Garten auf dem Lande, Grimms Märchen. Und immer wieder Menschen, die ihr etwas bedeuten und die sie halten. Eines hat sie gelernt: Man muss sich holen, was man braucht. Auch wenn sie mehrfach beim Ladendiebstahl erwischt und schließlich ins Heim gesteckt wird, kann sie sich auch dort auf die neue Lage einstellen. Und das Kinderheim wird auf überraschende Weise zu einem Refugium, wo Kindheit erstmals gelebt werden kann.

Amateure

Erzählungen, 2009
S. Fischer, ISBN: 978-3-10-038203-0
144 Seiten, €16,95

Amateure leben das Leben so, als ob es nur die Probe wäre. Sie machen Fehler, sie sind einfach nicht gut genug. In der Liebe scheitern sie schon, bevor sie überhaupt angefangen haben. Aber muss man wirklich ein Held sein, um dieses Leben zu bestehen? In der Tradition der großen amerikanischen Erzählerinnen schreibt Angelika Klüssendorf mit Mut, Aufrichtigkeit und schnörkelloser Klarheit: vom Abenteuer, ein eigenes Leben zu wagen, vom Versuch, auch im Unglück noch das Glück zu finden. Amateure sind alle in diesem Buch – die Amateure sind wir.

Aus allen Himmeln

Erzählungen, 2004
S. Fischer, ISBN: 978-3-10-038202-3
144 Seiten, €14,90

Das Haus des Lebens hat einen Keller – die Kindheit. In diesem Keller wohnen Schatten und Dämonen, die nicht weichen wollen. Angelika Klüssendorf bannt sie, indem sie unerschrocken davon erzählt: von dem Vater, der sich jedes Jahr zu Ostern das Leben zu nehmen versucht, und von der Mutter, die ihre Tochter mit dem Einkaufszettel zum Ladendiebstahl schickt. Von der 11-jährigen Ausreißerin, die sich im Polizeiverhör an die Schrecken des „Kindergefängnisses“ erinnert, und von Nelly, die es aus Sehnsucht nach ihren Geschwistern nicht im Heim hält.

Alle leben so

Roman, 2001
Fischer Taschenbuch Verlag, ISBN: 978-3-596-15130-1
192 Seiten, €8,90

Ein Heiratsschwindler im roten Ford Mustang, der am Ende selbst der Betrogene ist. Ein Gerichtsvollzieher, der lieber Al Capone geworden wäre. Ein Dichter, der sich in die Frau aus der Metzgerei verliebt, die aber einem Wunderheiler den Vorzug gibt … Ihre Geschichten berühren sich, kreuzen sich, entfernen sich wieder – ihre Sehnsüchte bleiben.

Veranstaltungen


Angelika Klüssendorf „Jahre später“ – Literarische Wochen Bremerhaven

Aufgewachsen bei alkoholkranken und gewalttätigen Eltern geht die Protagonistin April ihren Weg. So hat man sie in beiden vorhergehenden Romanen „Das Mädchen“ und „April“ – beide auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis – kennengelernt, nun in „Jahre später“ geht es um ihre Ehe. Beide Partner erfinden sich Rollen, denen sie nicht recht entkommen. Und so wundert es nicht, wenn ein Freund sie anspricht: „Du siehst aus wie auf Besuch in deinem eigenen Leben,…“. Als Leser*in wünscht man bis zuletzt, dass die Ehe gelingen möge, und zugleich, dass es endlich ein Ende hat mit den beiden. Die Autorin beschreibt die toxische Beziehung nüchtern, extrem reduziert, ohne zu bewerten und in einer Direktheit, der sich die Leser*innen nicht entziehen können. So liest sich der Roman trotz der inhaltlichen Schwere mit einer besonderen Leichtigkeit.

Angelika Klüssendorf, geboren 1958 in Ahrensburg, lebte von 1961 bis zu ihrer Übersiedlung 1985 in Leipzig; heute lebt sie in der Nähe von Berlin.

Im Anschluss an die Lesung: Drei Fragen an die Autorin, gestellt von Bernd-Rainer Hellrung, Literaturdozent


Vorverkauf: 9 € (ermäßigt 8 €), Abendkasse: 10 € (ermäßigt 9 €)
Vorverkauf ab 21. Januar 2019 in der VHS Bremerhaven, Infos unter Telefon: 0471 590-4733

Veranstaltungsdetails

Datum und Uhrzeit
Daten: 06.03.2019
19:30

Ort
Volkshochschule Bremerhaven

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