Unsterblich sterblich, Gedichte 2006

Vom 23.05.2013 in

Wie Poesie eine Verbindung mit philosophischem Denken eingehen kann, zeigt Jutta Dornheim in ihrem zweitem Gedichtband. Vom Sonett bis zum Aphoristischen reicht die Formenvielfalt, mit der die Autorin menschliche Erfahrungen und Begegnungen transzendiert. So wird das jeweils Geschehene, das Konkrete “nach-gesonnen und nach-gesponnen“, wie zum Beispiel mit Bezug auf Theodor W. Adorno: “ hier irrte der große A.: / das leben ist nicht beschädigt / jeder nachdenkversuch / vergeblich. / denn unauffindbar ist / worüber noch / nachzudenken wäre“. Neben der für Lyrik konstitutiven Beschäftigung mit dem Menschlichen und Erlebnishaften, neben sozial Einfühlsamem und politisch Unkorrektem findet sich bei Dornheim Historisches und Sagenhaftes, das schönsprachig neuen Zauber und Sinn erhält. „wo meer und land sich ineinander flüchten / da gleißt im morgenlicht der nonne diadem / so bräutlich hell und jungem blick genehm / es scheint gemacht aus stoff wie dem zum dichten“.