Sergejs Schatten, Erzählung 2009

Vom 23.07.2009 in

Die Kälte ihres Handrückens war es, „die ihn anzog, zeigte sie doch ihre Angst, über die er sie auf dem Vorhof halten konnte. Dass Begehren nur Brücke, Weg und Steg zu jenem ersehnten Innenreich der Liebe sein kann, ahnt Sergej in seinen helleren Sphären eines ansonsten massiv durch Angst verdunkelten Seins ebenso wie sein Gegenüber, Alba. Beide versuchen mit quer gelegten Lanzen durch die schmale Pforte in den paradiesischen Bergfried zu gelangen, beide stocken bereits im Kreuzgang des Vorhofs unter ihrer biographischen Last, beide kennen nicht die Löseworte, die den Weg nach oben hin freigeben.
Kerstin Fischer variiert sprachlich und analytisch auf ebenso souveräne Weise, wie in ihrer ersten großen Erzählung „Das Gewächshaus“, das Thema von Hingabe und narzisstischem Verharren, das sie unter das Motto aus Thomas Manns „Zauberberg“ gestellt hat, wonach alle Krankheit verwandelte Liebe sei. Eine literarisch hoch gefasste Fallstudie, die tief unter die Oberfläche der Geschlechter greift und die darüber ausgebreiteten Worthüllsen illusionsfrei aussondert.