Reiche Mädchen, Erzählungen 2005

Vom 01.08.2005 in

»Ich müßte mich schämen angesichts der Tage, die ich nur mit Warten vergeudet habe, als ob mein Leben nichts wert sei.«
Eigentlich könnte Franziska glücklich sein. Sie ist jung, hübsch und hat eine funktionierende Beziehung. Doch in ihr tun sich Abgründe auf. Eine obsessive ›amour fou‹ zerreißt ihre Welt, willenlos, wie ein Opfertier, wartet sie täglich auf den verheirateten Simon. Sie rechnet permanent mit seinen Überraschungsbesuchen, schmückt die Wohnung wie für einen Gottesdienst, plündert Feinkostabteilungen, kauft Blumen und Whiskey, als gelte es das Überleben in einem Bunker für mehrere Wochen zu sichern. Die Liebe zu Simon erweist sich als masochistische Fiktion, Franziskas Leben als Kriegsgebiet. Immer wieder schlagen Silke Scheuermanns Geschichten, wie in KRIEG ODER FRIEDEN, ins Unheimliche um, verstricken sich ihre Helden in der unsichtbaren Falle einer als ungenügend empfundenen Existenz.