Polivka hat einen Traum, Roman 2013

Vom 01.08.2013 in

Polivka schreit auf. Er wirbelt herum und quert mit wenigen Sprüngen die Gasse. „Weg!“, brüllt er. „Deckung!“ Eine der Tassen zerklirrt auf dem Kaffeehaustisch, und Polivka spürt einen jähen Stich am Unterkiefer, während er sich wie ein Freistilringer auf Sophie wirft und sie zu Boden reißt. An der Lehne ihres gusseisernen Stuhls stieben Funken auf. „Weg, verdammt! Nur weg!“ Den Arm um ihre Taille gelegt, zerrt er Sophie mit sich; halb stolpernd, halb kriechend erreichen sie die Straßenecke. Kurz und trocken klatscht es hinter ihnen an die Hauswand, ein rötliches Wölkchen staubt aus unverputzten Ziegeln. „Laufen Sie!“ Die beiden rennen um ihr Leben, rennen die Rue de Bouchers entlang, biegen nach rechts und hasten weiter, bis ihnen beim Place de la Monnaie ein Bus entgegenkommt und – wenige Meter vor ihnen – an der Haltestelle stoppt. Die Türen klappen fauchend auf. „Wohin fährt der?“, keucht Polivka, sobald sie die rettenden Stufen erklommen haben und der Bus sich wieder in Bewegung setzt. „Où allez-vous?“, gibt Sophie die Frage an den Fahrer weiter. Der aber zeigt nur gelangweilt auf ein Schild, das schräg über ihm in der Mitte des Fahrgastraums hängt. „Cimetière“, liest Sophie. „Zum Friedhof.“