Last Exit Volksdorf, Roman 2011

Vom 21.05.2011 in

„Annie Maybe läßt ihren Rucksack zu Boden gleiten, Jeansjacke und langärmelige Bluse daneben, kniet sich hin, läßt sich von Joshua umarmen und küssen. Sie küßt hungrig. Kriegt wahrscheinlich nicht genug zu essen, La Anorexia. Schatz, wie war dein Tag, sagt Joshua in einem affektierten Einzelhaustonfall. Wie gestern, sagt sie ernst, wie immer, Volksdorf liegt in einer Zeitanomalie, wußtest du das nicht, hier ist jeder Tag derselbe wie der davor.“Volksdorf ist ein gutbürgerlicher Stadtteil im Nordosten Hamburgs, idyllisch und grün. In schmucken Einfamilienhäusern leben die Gewinner unserer Gesellschaft und bereiten die Zukunft ihrer Kinder, der nächsten Siegergeneration, liebevoll, homöopathisch, ökologisch und ganzheitlich vor. Doch die Abgründe, die hinter den hohen Hecken und heruntergelassenen Jalousien lauern, sind nicht weniger tief als anderswo – nur gründlicher und geschmackvoller verleugnet und vertuscht. Nicht wenige werden, auf die ein oder andere Weise, darin zugrunde gehen.“Last Exit Volksdorf“ zeichnet das Bild eines scheinbar gediegenen Mikrokosmos und seiner Bewohner, der Fluchtrituale, Selbsttäuschungen und Schutz­mechanis­men, die zuschnappen, wenn sich das Leben dort als weitaus unheiler entpuppt, als das Selbstverständnis der Menschen und ihre soziale Großwetterlage vermuten lassen. Aus den wechselnden Perspektiven und höchst subjektiven Wirklichkeiten der acht Protagonisten – Jugendlichen und ihren Eltern und Großeltern, Lehrern und Schülern, Mächtigen und Ohnmächtigen – setzen sich Stück für Stück die Geschichten zusammen: Die Geschichte der dementen Klara und des Revoluzzer­punks Joshua, der überforderten Perfektionistin Renate und der einsamen Esoterikerin Iris, eines empörenden Skandals und der gefährlichen Beiläufigkeit des Bösen. Komisch, grotesk, mit Sarkasmus und Mitgefühl erzählt „Last Exit Volksdorf“ von der oft vergeblichen Suche nach dem Glück oder wenigstens einem Ausweg.