Kall, Eifel

Vom 19.09.2019 in

Vor Arimonds Gastwirtschaft binden die jungen Männer einem Hahn die Krallen zusammen und ziehen ihn am Seil hoch. Auf den Schultern eines Trägers sitzend, betrunken und mit verbundenen Augen schlagen die Männer nach dem Hahn. Milli, mit kleinen schimmernden Federn im Haar, schaut zu, und Braden glaubt, sie würde ihm gehören, wenn er nur Hahnenkönig würde. Rituale aus dem kleinen Ort in der Eifel, der das Zentrum von Norbert Scheuers neuem Buch bildet. Wie in Sherwood Andersons „Winesburg, Ohio“ sind die Geschichten in diesem Buch einzelnen Menschen aus dem Ort gewidmet und bilden zusammen, sich ergänzend und vernetzend, das Gewebe nicht nur dieses Städtchens ab, sondern einer ganzen Welt. Mit dem nüchternen Pathos des Chronisten erzählt Scheuer in „Kall, Eifel“ von den Lebenden und den Toten, von Liebe und Krieg, von Schönheit und Verfall, Betrug und Hinterlist.