Heute gehen alle spazieren, Roman 2001

Vom 19.06.2013 in

»Ich weiß schon garnicht mehr, was mich das jemals anging.« Zwischen den Zeiten stehen, das Vergangene noch nicht verdaut und ohne Vorstellung, was werden soll. Martin Brinkmann erzählt eine Geschichte, in der am Ende rein gar nichts geklärt oder gar besser ist – und trifft damit tief ins Lebensgefühl unserer Zeit. Es beginnt mit einem Ende, dem Ende der Jugend, dem Ende der Schul- und Zivildienstzeit. Und hat für den Erzähler doch keine Zukunft, obwohl sie ständig näher kommt und eigentlich schon da ist. Der Blick zurück ist nachdenklich, selbstironisch distanziert, im Niemandsland zwischen ungewollter Nostalgie und ebenso ungewollter Ratlosigkeit; und mitunter auch Wut. Der Blick nach vorn ist desparat, verliert aber nie seinen letztlich vitalen, aus der Distanz erwachsenden Witz. Martin Brinkmann ist ein eindringliches, lakonisch-originelles Buch über das Leben zwischen den Leben gelungen, über den Schritt in eine Welt, in der dem genauen Beobachter Desparatheit und Lebensirrsinn auf Schritt und Tritt begegnen.