Grand Hotel – Roman, 2008

Vom 10.09.2014 in

Fleischman ist ein etwa 30jähriger Mann, der in seinem Leben schon mehr verloren hat als nur seinen Vornamen oder das zweite „n“ in „Fleischmann“. Als Kind musste er einen schweren Autounfall und den Verlust seiner Eltern verkraften. Er kommt in die Obhut seines Cousins Jégr, eines unverbesserlichen Frauenhelden, der Fleischman wohl nur wegen der Zahlungen vom Sozialamt bei sich aufnimmt. Jégr übernimmt nach der Wende die Leitung des futuristischen Grand Hotels auf dem Berg Jested in der tschechischen Provinz. Fleischman hat keine andere Wahl, als für Jégr zu arbeiten. Denn sein größtes Problem: Sobald er auch nur in die Nähe der Ortsgrenze gerät, wird er Opfer schlimmer Angstattacken, und so scheint er für immer an den kleinen Ort gefesselt. Doch Fleischman träumt sich weit hinauf, sein Spezialgebiet sind die verschiedenen Wolkenformationen, seine große Liebe ist die Meteorologin im Fernsehen. Ihr schreibt er freundlich verliebte Briefe, wenn ihr mal wieder eine kleine Unrichtigkeit unterlaufen ist, die Antwort sind stets gleiche Autogrammkärtchen. Im wirklichen Leben muss er sich mit den Gästen des Grand Hotel herumschlagen. Mit einem Gast aber schließt er Freundschaft, Franz, dessen Obsession geschmacklose Kaffeetassen sind, in denen sich die Überreste seiner besten Freunde befinden, die auf heimischen Boden „begraben“ werden wollten. Franz und Fleischman unternehmen nächtliche Ausflüge, um die Asche an ihrem jeweiligen Wohnort auszustreuen. Als Franz selbst stirbt, versteckt ihn Fleischman und bringt ihn zu seinem Kumpel im Krematorium. Er will Franz’ Asche verstreuen, wenn er seinen endgültigen Ausbruchsversuch im Heißluftballon unternimmt, seinen geliebten Wolken entgegen. Dass ihn dabei die Serviererin Ilja, von der er doch geglaubt hatte, sie könnte seine Meteorologin ersetzen, nicht begleitet, muss er in Kauf nehmen. Man kann nicht alles haben, diese Lektion hat er schon früh im Leben gelernt.

Aus dem Tschechischen von Eva Profousová.