Der Schein, Roman 2007

Vom 23.07.2007 in

„Die alten Heiler“, so heißt es an einer Stelle im Roman, „benannten drei Tore, durch die der Tod trat: Herz, Lunge, Hirn“. Bei Michael Sahloks Vater kam er in den letzten Tagen des Krieges durch die Schläfe; er fiel in Frankfurt am Main. Für Michael, Hauptfigur des Romans, der in einer thüringischen Kleinstadt aufwächst, verschränken sich von da an auf denkwürdig exemplarische Weise Lebensgang und politische Umbrüche eines durch die Verheerungen des Krieges noch nicht wieder zu sich gekommenen Landes. Die Kriegsfackel brennt nicht mehr, die Trümmer werden geräumt, aber wer zeigt den Nachgeborenen den inneren Weg, wer bewahrt den äußeren, wenn die Väter nicht mehr  sind und die Mütter sie ersetzen müssen?
Weggefährten gibt es immer, aber sie bleiben selten: Georg, der Freund aus der Kinderzeit, kehrt nach einer Ferienreise nicht mehr zurück, Studienrat Klöben, der kundige Ratgeber und vielseitig Gebildete, stirbt, Jutta, die Jugendliebe, studiert in Budapest. Michael Sahlok versucht auch bei diesem schwankenden Lebensgrund die Unversehrtheit und Integrität seiner Person zu bewahren, was ihn schließlich fast zwangsläufig in das Räderwerk der politisch Mächtigen führt… „Der Schein“ ist der erste Teil einer Trilogie; in „Der Fall“ und „Die Zwischenzeit“ wird  Michaels Spur durch die Zeit weiter verfolgt. Zugleich steht der wechselhafte Lebensgang der Hauptfigur für einige nicht eben unbedeutende Begebenheiten in der deutschen
Geschichte.