Der Duft meiner Kindheit – Roman, 2014

Vom 10.09.2014 in

Philippe Claudel erzählt uns seine Lebensgeschichte in dreiundsechzig Düften. Aus diesen Düften steigen Bilder seiner Kindheit und Jugend auf, die er in Dombasle-sur-Meurthe verbrachte, einem Dorf am Fuße der Vogesen. Mit Dombasle verbindet er als Erstes den Duft von Akazien, wenn er im Frühling mit dem Fahrrad zu seinen Freunden fährt. Er liebt es, wenn seine Großmutter den stark mit Knoblauch gewürzten Hasenbraten zubereitet, und er begleitet sie gern zum Waschplatz und springt in das seifige Wasser. Onkel Dédés Pullover riechen nach Gauloises. Besonders eng ist die Verbindung zu seinem Vater, mit dem er gemeinsam an den Flüssen Meurthe und Digue angeln geht. Im Januar riecht es in Dombasle nach dem Schnaps, der in einer abgelegenen Hütte gebrannt wird. Im Frühjahr betört der Duft der Doldenblütler. Im Sommer werden die Felder gemäht, und Philippe fährt mit dem Fahrrad an den Stoppelfeldern vorbei zur Bäckerei, um Baguette zu kaufen. Nach dem Gewitter duftet es nach Regen.

Originaltitel: Parfums von Philippe Claudel.

„Plausibel freilich, dass Philipp Claudels Erinnerungssammlung mit dem Stichwort „Reise“ („Voyage“) endet, weil man jeden seiner kleinen Texte als Reisen in die Vergangenheit lesen muss. Er macht dies in einer ungemein farbigen, gesättigten, körperlich-muskulösen, adjektivreichen, zuweilen dramatischen und schwärmerischen Sprache – Grund genug, an dieser Stelle die herausragende (und sicher nicht einfache) Arbeit der Übersetzerin Ina Kronenberger zu erwähnen.“ Peter Urban-Halle, Deutschlandradio, 1. September 2014