Australien, Gedichte 2010

Vom 16.04.2015 in

In seinem vierten Lyrikband sucht Jan Wagner (unter anderem) den kürzesten Weg nach Australien, zum anderen Ende der Welt – gefunden hat er in jedem Falle den direkten Weg zur Beglückung seiner Leser.

Wer den gesamten Kanon lyrischer Formensprache derart beherrscht und sich seiner mit nonchalanter Virtuosität bedient wie Jan Wagner, steht leicht unter Elfenbeinturmverdacht. Wie schön, dass Jan Wagner schon im Titel seines neuen Lyrikbandes diesem Verdacht die Grundlage entzieht: Australien zeigt diesen Ausnahmelyriker als Reisenden, rund um den Kompass und ans andere Ende der Welt, quer durch Raum und Zeit, zeigt ihn als Entdecker, Landschaftsmaler, Spiritisten und immer als Brennmeister hochprozentigen Geschichtendestillats.

„„Man ist glücklich in Australien, / sofern man nicht dorthin fährt“ – diese Verse von Alvaro de Campos hat Jan Wagner seinem Band vorangestellt und zum poetischen Programm einer Weltreise umgemünzt. Er durchstreift alle Himmelsrichtungen und Kontinente, reale wie imaginäre, und egal, ob er einen Gecko betrachtet, den Lake Michigan besingt oder doch noch nach Australien gelangt – wo immer Jan Wagner uns hinführt, fördert er Überraschendes zu Tage, Seite um Seite beglückende Poesie.