Lesetipp im Mai:

Péter Esterházy – Autor von europäischem Rang

Jury Schocken

Die Jury des Jeanette-Schocken-Literaturpreises empfiehlt uns im Mai das Werk des ungarischen Autors Péter Esterházy.

Wend Kässens, Dr. Hugo Dittberner, Nico Bleutge, Zsuzsanna Gahse, Dr. Gabriele von Arnim.

»Der grammatische Raum bin ich«, schrieb Péter Esterházy in seinem »Produktionsroman«, der im ungarischen Original 1979 – und nun auch bei uns – erschienen ist. Mit seinen Sprachspielen und der subversiven Erzählweise unterlief er damals die Zensur, die in dem klugen Witz seiner Geschichten die darin enthaltene Kritik an der Diktatur übersehen hatte. Dabei war Esterházy von Anfang an ein genauer Chronist; seit jeher erzählt er von gesellschaftlichen und politischen Zusammenhängen, und so gehört er zum literarischen Gewissen seines Landes.

Péter Esterházy ist ein Autor von europäischem Rang. Seine Bücher wurden bisher in dreißig Sprachen übersetzt. Ende der achtziger Jahre ist seine »Einführung in die schöne Literatur« erschienen, ein Jahrhundertwerk, in dem die Sprache mitredet und mit der Weltliteratur einen Dialog aufnimmt. Die »Kleine Pornographie Ungarns« – ein Buch innerhalb dieses riesenhaften Werkes – betreibt schon im Titel ein listiges Spiel, denn die Anfangsbuchstaben (KPU beziehungsweise auf Ungarisch KMP) verweisen auf die kommunistische Partei Ungarns, die hier eine Hauptrolle spielt.

Mit Péter Esterházy ist ein Erzähler als literarische Instanz präsent, der uns die »Gattung Buch« neu erscheinen lässt: Wir betreten ein Texthaus von Größe und Schönheit, in dem der Leser gut leben kann.“

 – Jurybegründung zur Vergabe des Jeanette-Schocken-Preises 2013 –

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