Lesetipp im November

Boualem Sansal: „Rue Darwin“ libuseCerna01_850px

von Libuse Cerna, Festivalleiterin der globale°

Le village de l’allemand ou Le journal des frères Schiller von Boualem Sansal, das in deutscher Übersetzung 2009 unter dem Titel „Das Dorf des Deutschen“erschienen ist, entrollt eine komplizierte Geschichte voller unerwarteter Wendungen vor einem uns ziemlich unbekannten historisch-politischen Hintergrund. Dementsprechend erreichte das Buch nur wenige Interessierte jenseits des großen Literaturbetriebes.
Dann folgte 2011 der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Plötzlich stand der umstrittene und streitbare Autor im deutschen Rampenlicht. Im gleichen Jahr erschien sein autobiographisch geprägter Roman „Rue Darwin“, der nun in deutscher Übersetzung vorliegt. Eine meisterhafte Darstellung Algeriens, die sich einem voyeuristischen Blick entzieht. Ein Land im Umbruch, ein Land zwischen mystischer Vergangenheit und ungewisser Zukunft; eine atemberaubende Familiensaga zugleich. Ein Text, der jegliche Grenzen in Frage stellt.

Boualem Sansal ist ein mutiger Intellektueller – eine Spezies, die inzwischen durchaus rar ist in unserer glatt polierten Welt. Boualem Sansal, ehemals ein hoher Funktionär des algerischen Industrieministeriums, wurde wegen seiner deutlichen literarischen Kritik am politischen System zunächst vom Dienst suspendiert und schließlich entlassen. Ein muslimischer Autor, der nicht müde wird, den Islamismus zu kritisieren. Mittlerweile sind seine Werke in Algerien verboten. Heute lebt und schreibt er in einer Kleinstadt 50 km vor Algiers. Ein Flüchtling im eigenen Land. Es wäre wünschenswert, dass „Rue Darwin“ eine zahlreiche Leserschaft findet.

Am 1. November um 19.30 Uhr stellt Boualem Sansal im Rahmen der globale° – Festival für grenzüberschreitende Literatur  im Institut francais das Buch vor.

Boualem Sansal
„Rue Darwin“
Roman. Merlin Verlag, 2012

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