Lesetipp im Januar:

„Verteidigung der Missionarsstellung“ von Wolf Haas

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von Erwin Miedtke, Cheflektor der Stadtbibliothek Bremen
Foto: Victor Ströver

„Wolf Haas legt mit seinem neuen Roman ein wahres Kunststück vor. Der Plot ist scheinbar einfach: Der Schriftsteller Haas schreibt ein Buch über seinen Freund Benjamin Lee Baumgärtner, der sich im Roman dreimal verliebt und dreimal bricht parallel eine der großen Seuche aus: Rinderseuche, Vogelgrippe und Schweinegrippe. Ob hier ein Zusammenhang besteht? Der Liebende in Zeiten der großen Infektionen reisend  bittet seinen Autor: „Sollte ich je wieder Symptome von Verliebtheit zeigen, musst du sofort die Gesundheitspolizei verständigen, versprich mir das.“  Gegen das Verlieben kämpft der Sprachstudent Baumgartner einen schier aussichtslosen Kampf. „Mit Kopfverdrehen fängt es an. Mit Gehirnerweichung geht es weiter. Und das Schlimmste daran: Der Patient infiziert auch noch seinen Autor.  Vorsicht, höchste Ansteckungsgefahr!“ Der Roman funktioniert auf 2 Ebenen – zum einen als Unterhaltungsroman und zu anderen als poetologisches Lehrstück, denn das Buch erzählt auch, wie es geschrieben wird. Buch und Autor finden sich im Roman wieder, melden sich zu Wort und begeistern sich in eingeschobenen Kommentaren über das Buch. Und nicht nur mit der Sprache wird gespielt, sondern auch mit der Typografie und der Titel ist nicht nur ein Titel, sondern schon der Anfang einer höchst vergnüglichen Geschichte, die einen Sieg der Zeichen über die Wirklich markiert, einen wahren Triumph der Literatur über das Leben.“

Wolf Haas: „Verteidigung der Missionarsstellung“
Hoffmann und Campe, 2012, 19,90 €

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