Lesetipp im März: Alle Toten fliegen hoch – Amerika

2 -Janine ClaßenVon Janine Claßen – Veranstalterin im Kulturhaus Walle:

Ich liebe Bücher, die mich zum Lachen bringen. Beim Lesen des Buches „Alle Toten fliegen hoch – Amerika“ hab ich mich schlapp gelacht, ziemlich laut, egal ob ich alleine auf dem Sofa oder im Großraumabteil eines Zuges saß, der Humor vom Autor Joachim Meyerhoff ist einfach fantastisch und unwiderstehlich! Das Buch ist nicht neu, es ist 2011 im Verlag Kiepenheuer & Witsch erschienen, aber mir ist seitdem eigentlich kein Buch mehr begegnet, das ich lieber gelesen habe als dieses.

In seinem ersten Roman nimmt Meyerhoff uns mit auf eine Reise nach Laramy, Wyoming. Der Autor hat dort im Alter von 18 Jahren ein Austauschjahr verbracht. Um seine Chancen auf einen der beliebten Plätze in einer amerikanischen Gastfamilie zu erhöhen, gibt er sich beim Auswahlgespräch als naturbegeisterter, streng religiöser Kleinstädter aus – das Kalkül: Das Besetzen einer Nische, denn nach New York wollen sie alle! Der Plan geht auf, er darf nach Amerika, allerdings verschlägt es ihn so natürlich in die amerikanische Provinz zu einer strenggläubigen Gastfamilie. Mit einem ganz warmen, einfühlsamen Humor, der so schön frei ist von Sarkasmus, beschreibt Meyerhoff die Sehnsucht eines Jungen nach Veränderung und Freiheit. Dabei werden die ganz großen Träume ständig von den kleinen fiesen Nickeligkeiten des Lebens torpediert, überall lauern Fettnäpfchen, interkulturelle Kommunikationsprobleme und die Tücken, die das Dasein als Heranwachsender sowieso so mit sich bringen. Als Leser fühlt man sich diesem jugendlichen Protagonisten so nahe, man hat das Gefühl, mit ihm das Jugendzimmer zu teilen und ihm mit einem aufmunternden, „das wird schon wieder, irgendwie“ auf die Schulter zu klopfen.

Ein Anruf von zu Hause reißt den jugendlichen Helden wieder zu seiner Familie nach Norddeutschland zurück und in eine Trauer, der er nur mit einem erneuten Aufbruch nach Amerika begegnen kann.

Mit „Alle Toten fliegen hoch – Amerika“ hat Joachim Meyerhoff, der seit 2005 Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters ist, sein eigenes Bühnenprogramm in die Romanform übertragen. Dass der Text seinen Ursprung im Erzähltheater hat, ist auf jeder Seite spürbar und macht das Lesen wirklich zum Genuss. Auch sein zweiter Roman „Alle Toten fliegen hoch – wann wird es endlich wieder so wie es nie war“ wurzelt in diesem Theaterprojekt, mit dem er sehr erfolgreich war und zum Theatertreffen eingeladen wurde. Auch dieser Roman erzählt die Geschichte eines schmerzhaften Verlusts und ist trotz der Trauer gefüllt mit einer lebensbejahenden, positiven Kraft, die man beim Lesen in sich aufsaugen darf.

Die Bücher von Joachim Meyerhoff sind so grandios gut, weil sie uns an die Hand nehmen, uns eine Weile begleiten, uns Licht geben, uns berühren und wie eingangs erwähnt, gnadenlos zum Gackern bringen.

Gewiss ist Joachim Meyerhoff kein Geheimtipp, gerade in Bremen ist er kein Unbekannter, er erhielt 2012 den Förderpreis zum Bremer Literaturpreis. Hoffentlich beschenkt er uns noch mal mit einem Roman, er hat bestimmt die ein oder andere Geschichte noch nicht erzählt…

 

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Der perfekte Start ins Wochenende!

Das Kulturhaus Walle startet am 6. März mit einer neuen Veranstaltungsreihe, bei der es einen Freitag im Monat heißt: Gemeinsam chillen wir uns in den Feierabend. Mit Suppe, Musik und Poetry läuten wir entspannt das Wochenende ein.

Im Kulturhaus Walle treten Singer-Songwriter und andere kleine, feine Musikformationen auf sowie ein(e) Autor*in. Dazu wird eine hausgemachte Brodelpott-Suppe gereicht. Der Erlös aus dem Suppenverkauf kommt komplett den Künstlern zu Gute, sowie die Eintrittseinnahmen.

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