Gedicht des Monats: Kreuzfahrt von Katharina Mevissen

KREUZFAHRT –

vom meeresspiegel stürzen die schiffe
ins tote. vögel ertrinken
im himmel der tränt das meer
die luft ist salzig.

auf den grund des meeres ist die schuld
gesunken soviel totholz wracks
strandgut und böse
land- und luftbrücken lügen
sie brechen und betrügen.

aber niemand kommt
und spaltet das meer
die erde zieht risse
beim warten und zittert.

himmel und häuser an land bleiben
verschlossen. das grundwasser tränt
und durchsalzt die erde
in den wasserleitungen riechts
nach meer. beim trinken
juckts und brennts.

„alle wissen davon und warten aber“
am himmel tut sich
nichts und niemand
spaltet diesmal das meer

und hebt die gestürzten
schiffe vom grund hebt
das salz aus der erde.

18.4.2016, Katharina Mevissen


Im Gedenken an die Geflüchteten, die durch Bootsunfälle und gewaltvolle Abschottung der EU-Außengrenzen getötet werden.


Katharina Mevissen (Foto: privat) ist im Rheinland bei Aachen aufgewachsen. Seit 2010 lebt sie in Bremen, wo sie ihren MA Transnationale Literaturwissenschaft absolviert. Als Teil des Poesie-Kollektivs gabrieleschreibtgedichte tritt sie auf öffentlichen Lesungen und Festivals auf, darunter „zwiesprache lyrik“ und die globale° 2015. Ihr Romanprojekt „Ich kann dich hören“ wurde mit dem Bremer Autorenstipendium 2015 prämiert.


Das Gedicht „Kreuzfahrt“ bildet den Auftakt für eine neue literarische Reihe des Literaturhauses Bremen. Schlummert in Ihrer Schreibtischschublade ein Gedicht, das bislang nicht an die Öffentlichkeit gelangt ist? Das Projekt „Gedicht des Monats“ richtet sich an alle Lesenden und Schreibenden, sowohl Alteingesessene als auch Neulinge, die hier Gelegenheit finden sollen, möglichst unveröffentlichte dichterische Werke aus dem Schattendasein ihrer Schublade zu befreien und über die Plattform der Literaturhaus-Website einem Publikum zugänglich zu machen. Jeden Monat wird eines der eingesandten Gedichte in einem gesonderten Beitrag veröffentlicht.

Es wird darum gebeten, die Einsendungen mit Autorenname (gern auch Pseudonym, wer seine Anonymität bewahren möchte) und nach Möglichkeit Zeitpunkt der Produktion zu versehen. Die Unterlagen sind ausschließlich per e-Mail an die Geschäftsführung des Literaturhauses Bremen zu versenden: heike.mueller@literaturhaus-bremen.de Das Literaturhaus behält sich vor, die eingesandten Texte zu veröffentlichen.

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