„Die Uhr hat Ohren!“ – Bühnenprobe für den neuen Schulhausroman

„Ihr müsst euch vorstellen, die Uhr hat Ohren!“, sagt der Schauspieler und Organisator der Deichpoeten, Peter Koettlitz, und deutet auf die gegenüberliegende Wand des Wall-Saals. „Wenn die Uhr euch hört, seid ihr laut genug für das Publikum.“ Denn die richtige Lautstärke und vor allem auch die richtige Tonlage auf der Bühne zu finden, will geübt sein.

Eine Woche vor der nervenaufreibenden Premiere des Bremer Schulhausromans „Dunkles Verlangen“ am 8. Juni sind die 14 Schülerinnen der Wilhelm-Olbers-Schule im Wall-Saal der Stadtbibliothek zusammengekommen, um mit Hilfe von Peter Koettlitz ihre Bühnenpräsenz zu schulen. Dabei gilt es vor allem, ein Gespür für die eigene Stimme zu entwickeln. „Wenn man auf der Bühne steht, scheut man sich oft davor, zu laut oder mit zu langen Pausen zu sprechen“, erklärt Koettlitz. „Aber der Zuschauer braucht die Pausen, um das Gesagte zu verarbeiten. Und was einem auf der Bühne zu laut vorkommt, ist für das Publikum gerade richtig.“

Bühnenprobe
Die Schülerinnen üben. Jede darf mal auf die Bühne und die Arbeit mit dem Mikrofon erproben. Vor allem das Tempo, so Koettlitz, zeigt die Stimmung an. Wer sich Zeit nimmt, gewisse Textstellen in die Länge zieht und gezielt Pausen setzt, baut Spannung auf – und wer bei einer rasanten Szene die Stimme im Stakkato vorwärtspreschen lässt und jeden Konsonant am Wortanfang betont, erzeugt Dynamik. Je nachdem, ob ein Text laut oder leise, hart oder weich gesprochen wird, verändert sich die Stimmungslage im Text.

Einen letzten, wichtigen Tipp gibt der Bühnentrainer den Schülerinnen noch mit: Nicht am Blatt festkleben. Neben den bewussten Pausen zwischen Worten und Sätzen sorgt nämlich auch der Kontakt zum Publikum für Spannung in den Reihen. Wer gelegentlich Augenkontakt mit einzelnen Zuschauern aufnimmt, steigert nicht nur die gespannte Erwartung im Publikum, sondern ist auch besser in der Lage, natürlicher und emotionaler zu sprechen – fast, als würde man die Geschichte einem Bekannten erzählen. Auch die Zuhilfenahme von Gesten kann helfen, Leben in die Sätze zu bringen.

Bühnenprobe02062016 020
Es dauert, bis jede der Schülerinnen ihren eigenen Ton findet, aber am Ende der Probe haben alle ihre „Bühnenstimme“ für sich entdeckt. Jetzt sind die Jungautorinnen für ihren öffentlichen Auftritt am 8. Juni gewappnet. Wer das Ergebnis der Bühnenprobe selbst erleben und im Anschluss an die Lesung sein eigenes signiertes Exemplar des 2. Schulhausromans erstehen möchte, sollte sich um 18 Uhr zur Premiere im Wall-Saal der Zentralbibliothek einfinden.

>> mehr zur Veranstaltung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.