Die 1. Bremer Literaturnacht – ein Rückblick

Von Sina Lührs.

Bremen hat gelesen – und wie! Über 40 Autorinnen und Autoren aus der Region lasen zur 1. Bremer Literaturnacht was das Zeug hält, während zahlreiche Gäste neugierig und gespannt, schmunzelnd bis lachend, nachdenklich oder gar stark bewegt ihren Worten lauschten. Doch nicht nur Schriftsteller sowie ihre Bremer Fans ermöglichten es, eine ganze Nacht der Literatur zu widmen: 14 Buchhandlungen und Verlage öffneten ihre Türen für sie und machten es möglich, erfolgreich zu einer literarischen Tour durch die ganze Stadt einzuladen, so wie sie vom Wellenstein Text- und Verlagskontor, dem Bremer Literaturkontor und dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels Nord initiiert worden war. Tatsächlich sollten für Literaturliebhaber oder solche, die es noch werden wollen, kaum Wünsche offen geblieben sein: Denn ob in Bremen Mitte, im Viertel, in Schwachhausen, Findorff, der Neustadt oder in Lesum; ob Kurzgeschichten, Krimi, Kinderbuch, Lyrik oder doch lieber Autobiographisches und Politisches oder eben eine wilde Mischung aus dem ein oder anderen – das Programm der 1. Bremer Literaturnacht gab es her!

Nun, bei der Planung meines eigenen Abendprogramms musste ich natürlich feststellen, dass das Programm zwar so einiges hergab – sich an mehreren Orten gleichzeitig aufhalten zu können aber leider nicht dazu zählte. So konnte ich trotz der zahlreichen Markierungen in meinem Programmflyer letztlich nur einen sehr kleinen, aus zwei Lesungen bestehenden Teil des Angebots miterleben.

Inhaberin Alexandra Rempe & Klaus J. Thies

Ob ich mir in meinem Leben zuvor schon einmal genauere Gedanken um einen Parkplatz gemacht hatte, geschweige denn einen Parkplatz bisher einmal besonders aufmerksam beobachtet hatte? Wohl eher nicht. Auch nicht weiter schlimm, denn zum Ersten gliederte ich mich somit vermutlich bestens in die Gruppe der anderen Zuhörer ein und zum Zweiten hatte Autor Klaus Johannes Thies diese Aufgabe zum Glück seit Jahren gewissenhaft für alle anderen übernommen. Mit der Lesung aus seinem Buch „Aus meinem Fenster. Parkplatz-Rhapsodien“ (2018) eröffnete er die Literaturnacht in der Buchhandlung Storm um 19:30 Uhr mit seltsam alltäglichen und zugleich skurril unterhaltsamen Erzählungen über „seinen“ Parkplatz – einen Parkplatz am Rembertiring, den er aus seinem Küchenfenster ganz genau im Blick hatte. Ein packender Schreibstil, trockener Humor, ein Autor und Erzähler, der kein Blatt vor den Mund nimmt, und nicht zuletzt die Absurdität innerhalb der Beschreibungen, sorgten für einzigartige Unterhaltung in der vollbesetzten Buchhandlung. Vermutlich war ich nicht die einzige, die nach der Lesung etwas verdutzt zurückblieb: Wer hätte schon gedacht, dass ein ganz normaler Parkplatz doch so spannend sein kann?

Spannend, aber auf eine ganz andere Art und Weise, sollte mein literarischer Abend anschließend weitergehen: Nicht nur die Buchhandlung, sondern direkt auch den Stadtteil gewechselt, fand ich mich gegen 21 Uhr im Findorffer Bücherfenster wieder, um den Krimi „Blumenkinder“ (2016) und die Autorin Meike Dannenberg kennenzulernen. Gemütlich auf Kartons, Hockern und kleinen Stühlen zusammensitzend – der kleine Laden war noch gut gefüllt – lauschten alle gespannt Meike Dannenberg, die viel mehr tat, als Passagen aus ihrem atmosphärischen Krimi zu lesen, um für die Geschichte zu begeistern, ohne viel der ganzen Spannung vorwegzunehmen. Sie gab Einblicke in ihre Arbeit und in die Hintergründe des Erzählten, berichtete vom Folgeband „Gefährdet“ (2019) und der Planung ihres dritten, in Bremen angesiedelten Krimis, so wie sie auch von persönlichen Erfahrungen und Erlebnissen erzählte. Zwar schuf sie eine ruhige Atmosphäre, doch war trotz der späten Stunde wohl kaum jemandem zum Einschlafen zumute – selbst ich, die ich eigentlich keine Krimis zur Hand nehme, war gefesselt von Meike Dannenbergs bildhaften Beschreibungen, spannenden Erzählungen und ihrer sympathischen, offenen Art.

Ja, ich konnte letztlich nur einen kleinen, aus zwei Lesungen bestehenden Teil des Angebots der Literaturnacht miterleben – dafür aber einen, der sich allemal gelohnt hat! Denn allein diese zwei Lesungen, die in zwei unterschiedlichen Buchhandlungen in zwei verschiedenen Stadtteilen stattfanden, haben mir ein sehr unterhaltsames und abwechslungsreiches, zudem noch kostenfreies Freitagabendprogramm beschert. Hoffentlich heißt es nach der erfolgreichen 1. Bremer Literaturnacht nächstes Jahr wieder für alle Literaturbegeisterten: „Bremen liest!“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.